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Neues aus dem Lummerland

April 2018

Maltherapie

Nach der Chagall-Ausstellung starten wir den zweiten "Versuchsballon Kunst" und haben eine Maltrainerin eingeladen. Interessierte Kinder werden in den sorgsamen Umgang mit Pinseln eingeführt, lernen den richtigen Gebrauch von Wasserfarben und können neben dem Malen auf glattem Papier auch das Farb- und Pinserlverhalten auf einer Raufasertapete ausprobieren. Der Lieblingsfinger darf außerdem zum Malen verwendet werden, wobei ein Kind sich für keinen seiner zehn Finger entscheiden kann und kurzerhand einfach alle nimmt - mit großem Vergnügen. Ein anderes Kind, das sich sonst immer leicht ablenken lässt, entwickelt plötzlich eine erstaunliche Hingabe und ist vom Malgrund Tapete völlig fasziniert. Dass Malen Gedanken freisetzt, beweist ein weiteres Kind, indem es uns u. a. in ein Gespräch über Planeten und Sternenstaub verwickelt. Es gibt aber auch das Kind, das nach einer Weile den Pinsel weglegt und sagt: "Ich hab jetzt genug gemalt, ich bin fertig."

Malbücher

Vor längerer Zeit schon bekamen wir einen großen Stapel A4-Notizbücher geschenkt. Sie fanden aber erst kürzlich ihren Einsatz, als die Menge der unvollendeten und namenlosen Mal- und Ausmalblätter nicht mehr auszuhalten war. Seither hat jedes Kind sein eigenes Malbuch mit individuell gestaltetem Namensaufkleber. Wer nun malen möchte, der hat dafür sein Buch. Inzwischen sind manche davon schon fast voll, andere noch ziemlich leer. Es findet sich oft viel Kritzel-Kratzel, aber auch so manches Kunstwerk: vom Panzerfahrzeug, über lustige Männchen und das klassische Blumenwiesen-Bild, bis hin zum ICE, für den sogar angebaut werden musste, damit er ins Buch passt. Manche Kinder schneiden oder kleben im Buch. Der neuste Schrei, wenn die Sehnsucht nach einem Ausmalbild groß ist: Wir pausen das Wunschmotiv auf eine Buchseite. Nun geht nichts mehr verloren, alles bleibt beisammen und alle wissen was wem gehört; vorausgesetzt, jeder malt brav in sein eigenes Buch.

März 2018

Hosianna

Die Schreiberin ist gerade dabei, anhand der Bilder von Kees de Kort, die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem mit acht Knopf-Kindern zu erarbeiten. Am Ende ruft eins voll Feuereifer: "Können wir die Geschichte spielen?!" Klar, situationsorientierter Ansatz, denkt die pädagogische Fachkraft. Als dann aber die anderen Kinder begeistert einstimmen: "Ich bin der Vater!" - "Ich bin die Mutter!" - "Ich bin die Prinzessin!", muss erst noch einmal geklärt werden, welche Personen überhaupt mitspielen. Die Requisiten werden spontan erkoren und bald darauf darf jedes Kind einmal Jesus sein und erleben, wie es sich angefühlt haben mag, vom Volk bejubelt zu werden. Als dann eins nach dem anderen auf einem der Plastikmotorräder über eine Isomatte durch das Spalier fährt, das wir anderen bilden, während wir mit den Museumspantoffeln schwenkend: "Willkommen, wir freuen uns, dass du da bist!" rufen, merkt man am seligen Lächeln der Kinder, dass diese Aktion wohl doch zu irgend etwas gut sein muss. 

Wahlfreiheit

Den Vorschlag einer Mutter aufgreifend, fahren wir mit 13 Kindern (den Emmas und ein paar interessierten Mollys) zu einer Chagall-Ausstellung ins Christusforum Leinfelden: ein Experiment. Fast alle von uns bekommen eine kindgerechte Einführung in die ausgestellten Bilder des Künstlers, die dann auch noch in Ruhe betrachtet werden können. Die Schreiberin und zwei desinteressierte und mit wenig Sitzfleisch ausgestattete Kinder verbringen die meiste Zeit jedoch damit, das Foyer zu erkunden; der Hausherr leistet dabei tatkräftig, stets freundlich und geduldig Unterstützung. Mit ein paar grauen Haaren mehr, dem Eindruck großer Gast- und Kinderfreundlichkeit, Chagall-Postkarten und Ausmalbilder im Gepäck, sowie zwei aufgeschlagenen Knien kehren wir ins Lummerland zurück. Es gibt so manches zu bedenken: Qualifiziert allein das Alter ein Kind zum Mitgehen? Was, wenn ein Emma-Kind kein Interesse signalisiert? Sollte jedes Kind selbst entscheiden dürfen, ob es mitgehen möchte oder nicht?

Platz für Neues

Im Büro harrt schon eine gefühlte Ewigkeit lang ein papiergefüllter Karton auf seine Entsorgung. Gerade gibt es etwas Luft und die Schreiberin trägt eine prall gefüllte Tüte hinüber zum Pfarramt, wo der Reißwolf in einer ruhigen Ecke auf das Futter wartet: dicke Stapel alter Kinderakten. Diese Aufgabe hätte man auch der FSJlerin übertragen können, aber die Schreiberin ist froh, dass sie sie selbst in Angriff genommen hat. Mit jedem Namen taucht das Bild eines Kindes auf und Erinnerungen werden blitzlichtartig lebendig. Fast vergessene Kinder tauchen wieder auf, manchen begegnet man noch gelegentlich, manche kommen als Praktikanten für ein paar Tage in die Einrichtung zurück. Es ist schön, diese kleinen nostalgischen Momente zu erleben und Blatt für Blatt von jedem Kind nochmals in Ruhe Abschied zu nehmen. Das mahlende Geräusch der Maschine setzt dann den Schlusspunkt.

Eisiger Wind

Montag und Dienstag bleiben wir drin, nur ein paar Emma-Kinder trotzen im Garten gut eingemummelt der Eiseskälte. Am Mittwoch können alle wählen: eine Weile raus oder nicht. Am Draußen-Donnerstag ist Rausgehen obligatorisch, was bei ein paar Kindern sofort zur Revolte führt. Laufen um des Laufens willen ist nicht mehr populär. Während also die einen schon angezogen in voller Montur schwitzen, haben die Aufrührer noch nicht einmal Anstalten gemacht, ihre Hausschuhe auszuziehen. Da bedarf es einer lautstarken und deutlichen Ansage wo der Weg langgeht. Als dann endlich alle zwei und zwei abmarschbereit am Gartentor stehen, kühlt der eisige Wind die Mütchen schnell wieder ab. Auf unserem Rundgang um den Block begegnen wir einem schief stehenden Schneemann, erspähen unter Sträuchern vor der Kirche einen lila Krokus und in der Pfarrerwette eine Eisschicht rund um die Fontäne. Bevor unsere Gesichtszüge aber gänzlich erstarren, gehen wir schnell zum Auftauen in den Kindergarten zurück.

Februar 2018

Mehrheitswillen

Es ist mal wieder Donnerstag und somit Draußen-Tag. Der Ostwind weht eisig kalt. Zwei Kollegen sind die ganze Woche krank, auch einige Kinder fehlen und mancher, der da ist, ist angeschlagen. Da kommt die Beschwerde eines Emma-Kindes im Morgenkreis gerade recht: Es vermisst den Spielestuhlkreis; der wurde zu Gunsten des Morgenkreises gestrichen und findet nur noch mit den jüngeren Kindern beim Jahrgangstreffen statt. Der Wunsch des Vorschülers findet nicht nur bei seinen Altersgenossen Anklang, sondern wird von der Mehrheit aller geteilt. Da fällt es uns, besonders angesichts der Außentemperaturen, nicht schwer, den Willen der Kinder anzunehmen. Nach dem Freispiel findet dann der ersehnte Spielestuhlkreis statt. "Hilfe, ich bin in den Brunnen gefallen!", "Mein rechter Platz ist leer", Pitsch, patsch, Pinguin", "Bello, dein Knochen ist weg", "Drache Franz" oder "Schuhsalat", die Kinder haben durchweg Spaß und jeder möchte mal an die Reihe kommen. Irgendwann ist aber Schluss und es geht doch noch eine Weile in den Garten.

Spielverderber

Faschingsdienstag ist Verkleidungstag und ausgelassen toben die Kinder durch unsere Räume. Schaudernd verschanzt sich die Schreiberin hinter einem Berg Arbeit im Büro, gedämpfte Musik ans Ohr dringend. Zum Glück schmeißen Kollegen, Praktikantinnen und die FSJlerin draußen die Party. Nur zweimal verlässt der Faschingsmuffel seine Trutzburg; einmal als Modefotografin im Morgenkreis, um all die Elsas und Feuerwehrmänner abzulichten und einmal nachmittags nach einem Elterngespräch zum Beinevertreten. Prompt wird sie von einer tüllberockten Prinzessin ins Getümmel gezogen: Spiel und Tanz und Konfettiregen. Da gibt es kein Entkommen. Es bleibt nichts anderes übrig, als zu den Partyklängen das Tanzbein zu schwingen und sich mit Fäusten voll Konfetti gegen ebensolche Angriffe zu wehren. Als am Abend noch bunte Papierstückchen aus der Kleidung rieseln, war es im Nachhinein doch nicht so schlimm. Trotzdem gut, dass nun wieder für ein Jahr Ruhe ist.

Autoparadies

Zwei Kinder einer unserer Familien haben sich von dutzenden Matchboxautos getrennt und dem Kindergarten geschenkt. Umringt von begeisterten Kindern, die sich schon ihre Lieblingsfahrzeuge ausgucken, kennzeichnet der Kollege die Autos mit einem Lackstift. Während wir noch überlegen, wo und wie wir sie aufbewahren und an die Kinder weitergeben, hat der andere Kollege eine Idee und bringt den großen Setzkasten, der zum Sortieren von Perlen gedacht, aber kaum benutzt wurde. Den nageln wir kurzentschlossen in der Bauecke an die Wand - nicht zu hoch und nicht zu tief - und bestücken ihn mit den neuen Autos. Mit begehrlichen Blicken versammeln sich die Kinder unter dem Autoparadies und dann darf sich jedes eines zum Spielen aussuchen. Manches Kind begnügt sich damit, sein kleines Lieblingsauto glücklich in den Händen zu halten.

Nobody's perfect

Immer mittwochs treffen sich die Kinder in den Jahrgangsstufen um etwas gemeinsam zu tun. Die Jüngeren, die Knopf- und Knöpfle-Kinder, sind dabei in einer Gruppe zusammengefasst. Wir treffen uns zum Sitzkreis im großen Flur. In der Mitte liegt auf dem Boden ein Plakat, auf dem nur der Umriss eines unserer Kinder zu sehen ist. Da gibt es viel Arbeit, es fehlt ja eine ganze Menge: Ein Kind malt die Augen, ein anderes den Mund usw. Natürlich wird erst mal nachgezählt wie viele Exemplare wir von jedem Teil haben und geklärt, wozu es jeweils gut ist. Das Aussehen wird beim Nachbarn genau ermittelt und dann - zumindest farblich mehr oder weniger passend - in den Umriss eingezeichnet. Am Ende sieht unser Umriss-Kind sehr originell aus, ein Auge ist etwas größer als das andere und befindet sich in unmittelbarer Nähe zum daneben schwebenden Ohr, aber wer ist schon perfekt?

Januar 2018

Toilettenbesuch

Es gibt nichts besseres als Draußen-Wetter am Draußen-Tag. Über 30 Kinder und sieben Erwachsene machen sich auf zu einem Hausbesuch im Gebiet Lehmgrubenweg. Da wir schon in der Nähe sind, wollen wir uns den Kindergarten Aicher-/Layhweg anschauen – von außen versteht sich. So ist der Plan. Aber mit Kindern läuft es meist nicht nach Plan. Ein erstes muss nämlich dringend austreten und ein zweites schließt sich sogleich an, obwohl beide vor dem Losgehen auf der Toilette waren! Nun sind die zwei leider keine Freiluftpinkler und verlangen nachdrücklich nach einer Toilette. Also im Eilschritt zum Pavillon Aicher-/Layhweg, wo zufällig eine freundliche Kollegin am Fenster ist und uns, nach dem Vorbringen unseres Anliegens, wie selbstverständlich hereinbittet. So sehen immerhin vier von uns die Krippe (besonders die Sanitäranlagen) von innen und staunen: Außen Container, innen urgemütlich und alle sind sehr herzlich und nett. Nach der Pinkelpause umrunden wir dann doch noch gemeinsam das große Gelände von Krippe und Kinderhaus, bestaunen Gebäude und Außenanlagen und machen uns dann wieder auf den Heimweg. Es gibt da noch weitere Kindergärten in Echterdingen, die wir uns an einem Draußen-Tag ansehen gehen könnten.

Überraschungsbesuch

Wie aus vorherigen Berichten bekannt, hat das Büro eine fast magische Anziehungskraft auf unsere Kinder. Immer wieder verirrt sich eins von ihnen dorthin oder sucht gezielt den interessanten und in der Regel ruhigen Raum auf. Die Tür steht meistens offen. An einem Vormittag der vergangenen Woche sitzt die Schreiberin in selbigem Büro am Bildschirm, völlig versunken in eine Arbeit. Am Rande nimmt sie leise Kinderstimmen wahr, hört Schritte, bleibt aber der Aufgabe zugewandt. Bis sie dann doch aufsieht und an der Tür eine grinsende Truppe Kinder erblickt. "Ihr seht aus, als wolltet ihr etwas vorsingen." Die Kinder schauen sich an und eines bestimmt: "Wir singen ein Geburtstagslied." Auch wenn niemand von uns an diesem Tag Geburtstag hat, erklingt aus vollen Kehlen "Zum Geburtstag viel Glück". Als der letzte Ton verhallt ist, macht der ganze Chor kehrt und zieht wieder ab. Leise schließt sich die Tür. Schmunzelnd kehrt die Schreiberin wieder an ihre Arbeit zurück.

Paradiesische Zustände

Als unser Kindergarten am 4. Januar wieder seine Pforten öffnet, dauert es eine ganze Weile, bis die ersten Kinder eintrudeln. Drei Praktikantinnen, die die beiden letzten Tage ihrer Schulferien bei uns im Kindergarten verbringen, sind hingegen gleich voll im Einsatz und basteln schon mal die Geburtstagskronen für die nächsten zehn Geburtstagskinder. Schließlich gibt es einen gemütlichen kleinen Morgensitzkreis auf dem Bauteppich und eine überschaubare, aber sehr familiäre Frühstückstafel. Auf einen Erwachsenen kommen zwei Kinder - ein einmaliger Betreuungsschlüssel! Vieles was bisher liegen geblieben ist kann nun aufgearbeitet werden. Zwei Tage halten diese paradiesischen Zustände an, dann sind die Schulferien zu Ende und mit dem Montag beginnt dann wieder der ganz "normale" Wahnsinn.

Dezember 2017

Stille Zeit, heilige Zeit

Schon das ganze Jahr freuen wir uns auf die Adventsfreitage, genauer gesagt auf die Zeit von 7.00 Uhr bis ca. 9.45 Uhr: das Adventsflüstern. Wenn dann die Kinder in der Früh gebracht werden, begrüßt sie der Schein vieler Kerzen der aus den selbstbeklebten Gläsern leuchtet und ein geflüstertes "Guten Morgen". Jeder Neuankömmling wird von dieser ganz besonderen, feierlichen Stimmung angesteckt. Manchmal muss man sich in Erinnerung rufen, dass tatsächlich Kinder da sind, denn das gedämpfte Gemurmel wechselt sich mit Phasen fast völliger Stille ab. Erst nach dem Frühstück, wenn die Kerzen ausgepustet sind, beginnt wieder der "normale" Betrieb. Diesen Freitag wird es aber noch einmal ganz leise, wenn wir im Stuhlkreis den ersten Teil der Weihnachtsgeschichte mit Figuren nachspielen und miterleben.

Bitte und Danke

Am 6. Dezember trafen sich Kinder, Familien und Team vom Lummerland zum Adventsnachmittag. Die selbstbeklebten Leuchtgläser verbreiteten überall heimelige Stimmung und auf dem Büfett reihte sich Köstlichkeit an Köstlichkeit. Den musikalischen Rahmen lieferten die Kinder, schließlich hatten wir ja zur Genüge geübt. Kaum war der letzte Ton von "Lasst uns froh und munter sein" verklungen, kam völlig überraschend ein schwäbischer Nikolaus vorbei. Schnaufend ließ er sich zwischen den Kindern nieder und begann seinen Sack zu leeren. "Wia hoißed dia zwoi wichdigschde Wörder?", wollte er von den Kindern wissen und ließ keines mit seinem Geschenk ziehen, bevor es nicht "Danke" gesagt hatte. Ein Kind brachte nur ein ehrfürchtiges "Bitte" über die Lippen und bei einem anderen Kind entfuhr es dem Nikolaus: "Du bisch aber a nedds Gnöpfle", als hätte er gewusst, dass da ein  Knöpfle-Kind vor ihm stand. Beim Hinausgehen gab dann der Mann im Mantel auch den Eltern noch das eine oder andere (schwäbische) Wort mit.

Pragmatisch

Wir sind im Garten und es beginnt zu regnen. Ein Molly-Kind schleppt ganz allein eine Holzspielbank ins Trockene. Die Schreiberin sagt bewundernd: "Du bist ja eine echte Superfrau!" Energisch aber wortlos stellt das Kind die Bank, die länger ist als es selber, am Haus ab. Dann sagt es im Weggehen beiläufig und stellvertretend für alle anderen Helfer: "Wir tun nur unsere Pflicht." Genauso pragmatisch lautet die Ansage desselben Kindes an ein anderes Molly-Kind, das mal wieder halb angezogen und betont hilflos in der Garderobe herumsteht. Es reicht ihm den Träger der Schneehose über die Schulter und meint: "Nun stell dich nicht so an!"

Hier nun noch einen herzlichen Dank an eine Spenderin: Wir haben den Geldbetrag postwendend in altersgerechte, ansprechende Kinderliteratur eingetauscht, diese eingebunden und mit einem Spendenvermerk versehen. Kommende Woche beginnen wir dann mit dem Vorlesen.

November 2017

Advent, Advent, die Zeit, die rennt

und im Kindergarten laufen die Vorbereitungen auf die heimeligste Zeit im Jahr auf Hochtouren (kaum dass die Laternen im Keller verstaut sind). Für die Beleuchtung beim Adventsflüstern tauchen Groß und Klein mal mehr, mal weniger Finger in den Kleister, um leere Gläser mit Transparentpapierschnipseln nach eigener Farbwahl zu bekleben. Sie sollen dann an den Aventsfreitagen morgens gemütliche Flüsterstimmung erzeugen. Im Morgenkreis sprechen wir über die wichtigsten Stationen auf dem Weg zu Weihnachten und kramen die teilweise noch bekannten Lieder und Verse hervor. Eine Nikolauslegende darf natürlich auch nicht fehlen und beim Draußen-Tag muss der Weg am großen, begrünten Leiterwagen neben der Stephanuskirche vorbeiführen, denn genau dessen Speichenräder sind es, die wir bei der Geschichte von der Entstehung des Adventskranzes wiedersehen werden.

Missverständnis

Ein Emma-Junge ist gerade am Bauen eines Gebäudekomplexes aus Magnetformen. Da soll er aber schnell noch etwas aufräumen gehen, mit dem er zuvor gespielt hat. Kaum hat er mit Aufräumen angefangen, wird sein Magnetmonument von einem Knopf-Jungen zerstört. Der Emma-Junge beginnt herzzerreißend zu schluchzen und ist völlig aufgelöst. Das Knopf-Kind sitzt mit großen Augen neben dem traurigen Berg seiner Zerstörung und ihm dämmert, dass es wohl etwas falsch gemacht haben muss. Während der große Junge in einer Umarmung Trost findet, beginnt nun seinerseits das Knopf-Kind zu weinen. Es hat das "Aufräumen" auf sich bezogen, denn erstens steht "Aufräumen" ziemlich weit oben in seinem noch sehr begrenzten Wortschatz und zweitens ist Aufräumen doch eine Leidenschaft von ihm. Es dauert noch eine ganze Weile, bis sich die Wogen geglättet haben und das Missverständnis geklärt ist. Auch das ist Lernen im Kindergarten.

Laternenhimmel

Vor unserem Laternenlauf am 6. November beschäftigen uns nur noch zwei Dinge: Laternen basteln und Laternenlieder singen. Die Emma-Kinder haben sich eine bunte Eule ausgesucht und basteln diese selber. Die anderen Kinder haben die Wahl zwischen einer einfachen Eule und einem Schaf, wobei letzteres die meisten Herzen erobert. An zwei Nachmittagen gibt es dann Eltern-Kind-Laternenbasteln. Eine Mutter ist etwas enttäuscht, als sich ihr Kind spontan vom süßen Schaf zur Eulenlaterne umentscheidet. Als sie dann aber ruckzuck mit Basteln fertig sind und die Laterne sogar gleich mit nach Hause nehmen können, während die Schafbastler noch mit Kleisterhänden Lage um Lage Transparentpapier um einen Ballon kleben und der Rohling anschließend auch noch trocknen muss, hat der Wechsel durchaus etwas für sich. Am Ende aller Basteleien hängt unser Garderobenhimmel voller Laternen und wir stehen im Morgenkreis darunter und singen - Laternenlieder.

Oktober 2017

Klo-to-go

Beim Draußen-Tag steht der Besuch bei einer gerade mal knapp 600 m entfernt wohnenden Familie an. Keine große Affäre, oder? Schon nach 250 m weint ein Kind, weil es mal muss. Die Kollegin wohnt zum Glück auf dem Weg weitere 250 m weiter, so dass dem Kind geholfen werden kann. Am Ziel angelangt machen wir Fotos und halten ein Schwätzchen mit der Mutter. Zum Glück ist diese daheim, denn ein anderes Kind verspürt ein Bedürfnis und der Kollege kommt auf diese Weise zu einer partiellen Hausführung. Wen wundert es, als bei der Hälfte des Heimwegs ein drittes Kind die Beine zusammenklemmt, sich aber glücklicherweise mit dem Hinweis "Wir sind gleich im Kindi" zufrieden gibt. Kaum gesagt, bleit ein viertes Kind mit unglücklichem Gesicht stehen, bei ihm ist leider schon alles zu spät. Zukünftig brauchen wir wohl vor dem Losmarschieren noch strengere Klokontrollen. Denkbar wäre auch ein Campingklo auf Rollen zum Mitführen oder - das wäre sowieso das Beste - an jedem zweiten Haus ein "Pinkel-Insel"-Schild.

Zwischen den Wochenenden

Am Montag sind die meisten Kinder noch ziemlich aufgedreht vom Wochenende und müssen sich erst einmal im Kindergarten wieder einjustieren. Am Dienstag geht es dann schon etwas ruhiger zu. Die Emma-Kinder machen ihren Gartenführerschein fertig und dürfen sich allein im Garten bewähren. Auch ihre Laternen fangen sie zu basteln an. Am Mittwoch ist Molly- und Emma-Stunde und den Rest der Woche treibt es uns raus ins schöne Herbstwetter: Donnerstag stapfen wir durch das trockene Laub zum Haus eines unserer neuen Kinder und Freitag kontrollieren wir, wie jedes Jahr, ob die gewohnten Krautfestbuden, -zelte und -bühnen an Ort und Stelle und die Öfen im Backhaus schon angefeuert sind, wie weit der Aufbau des Karussells gediehen ist und wie es am Platz des Kindergartenstandes aussieht. Alles okay, das Wochenende kann kommen.

Zukunftsinvestition

Eltern kommen täglich in den Kindergarten, um ihre Kinder zu bringen und wieder abzuholen. Aber auch sonst verbringen sie viel Zeit im und mit dem Kindergarten: bei Elternabenden, Aktionstagen, Bastelnachmittagen, Entwicklungsgesprächen, beim Elterncafé, Krautfeststand, Sommerfest, Laternenlauf, Gottesdienst und, und, und ... Dass diese Zeit eine gute Investition in die Zukunft ist, bringt ein Vater am Elternabend auf den Punkt; er weist darauf hin, wie wichtig es ist, den Kindern Freude an der Gemeinschaft und am gemeinsamen Tun vorzuleben, sowie - das soll an dieser Stelle noch hinzugefügt werden - im Gespräch und Austausch miteinander zu bleiben. Wie schön, dass sich am Samstag viele Väter und Kinder zum gemeinsamen Kürbisschnitzen im Kindergarten getroffen haben!

September 2017

Ein typischer Vormittag im Garten

Eben hat man einem Kind ein Pflaster über die Wunde am Finger geklebt, kommt ein anderes und beschwert sich. Nach schwieriger Ermittlungsarbeit kann man folgenden Sachverhalt erahnen: Drei streiten sich um eine Schaufel, jeder hatte sie zuerst und keiner will verzichten. Dass am Tatort genügend herrenlose Schaufeln für alle herumliegen, haben die Zankenden gar nicht bemerkt. Endlich hat jedes Kind seine eigene Schaufel, da wird bereits die nächste Klage an einen herangetragen: "Die hat mir weh getan und mit Sand geworfen!" Eine Zeugin erklärt unter vier Augen: "Die haben sich gegenseitig geärgert." Wer hätte das geahnt?!  Die Sandwerferin wird ermahnt, die andere gefragt, was sie denn zum Streit beigetragen habe. "Nichts", versichert sie mit treuherzigem Augenaufschlag. Dabei muss man es diesmal belassen, denn es steht schon ein weiteres Kind mit blutendem Knie an und will - was wohl? - ein Pflaster.

Herbstluft

In dieser Woche drehen wir zum ersten Mal im Gruppenraum die Heizung auf. Trotzdem muss die Frage nach der Jahreszeit im Morgenkreis bis zum Freitag mit „Sommer“ beantwortet werden. Am Donnerstag, dem Draußen-Tag, machen wir uns dann schon mal auf die Suche nach dem Herbst. Dazu führt uns der Weg durch die Siedlung. In den Gärten blühen Astern und Dahlien, teilweise färbt sich bei manchen Büschen und Bäumen schon das Laub, es leuchten rote, orange und schwarze Beeren. In der Stille des Friedhofs wandern wir zwischen den Gräbern hindurch und das Gespräch eines Kindes mit der Kollegin dreht sich um Trauer und Tod. Das Mädchen fragt: „Du, wenn die toten Menschen begraben und unter der Erde sind, wachsen die dann wieder?“ Am Freitag im Morgenkreis ist dann endlich offiziell Herbst und auf einem Teller liegen Äpfel, Maiskolben, Beeren und bunte Blätter in der Mitte. Draußen strahlt die Sonne und wir lassen uns nicht lange bitten, sondern gehen in den Garten und spielen in der milden Herbstluft.

Neu sortieren

Die erste Woche im neuen Kindergartenjahr ist zu Ende. Eine neue alte Kollegin wurde im Team begrüßt, zwei neue Kinder eingewöhnt, drei Geburtstage gefeiert, die Möbel in beiden Räumen neu arrangiert, die neuen Emma-Kinder waren bei der Einschulungsfeier ihrer Vorgänger in der Zehntscheuer dabei und es wurde ein Ausflug zum Zeppelinstein gemacht – all das hat in diese erste Woche hineingepasst. Und so ähnlich geht es weiter. In den nächsten beiden Wochen werden wir noch zwei weitere neue Kinder bekommen, der Elternabend steht an, die Turnkooperation mit dem TVE beginnt wieder, eine FSJ wird zum Team stoßen, Idee und Pläne wollen bedacht und umgesetzt werden …, typisch Kindergarten eben, niemals Langeweile oder Eintönigkeit.

Juli 2017

Bild dir deine Meinung

In letzter Zeit wird von Kindern immer wieder über den Morgenkreis gemosert. Nun nutzen wir diesen, um uns ein Meinungsbild einzuholen. Wer mag, darf sich auf den roten Stuhl setzen und seinen Unmut kundtun. Das Angebot wird nur mäßig in Anspruch genommen, die Beiträge beziehen sich meist nicht auf das Thema und die schweigende Mehrheit möchte wohl einfach nur endlich frühstücken und danach spielen gehen. Möglicherweise ist diese Art der Befragung aber auch eine Überforderung, vielleicht haben manche auch noch keine eigene Meinung oder der Rahmen behagt nicht. Später, in kleinen persönlichen Gesprächen stellt sich dann heraus, dass es einige Kinder anstrengend finden, zehn bis fünfzehn Minuten der Schwerkraft zu trotzen; sie würden lieber sitzen, wie im "alten" Stuhlkreis, anstatt zu stehen. Kurz wird abgewogen: Kann man den Kindern das Stehen zumuten oder ist es eine Zumutung? Nachdem aber die Mehrheit der Kinder, vor allem auch viele jüngere, mit dem Stehen kein Problem hat und Stühle keine Option sind, begrenzen wir einfach die Morgenkreiszeit auf zehn Minuten und bauen viel Bewegungselemente ein. An der Meinungbildfindung müssen wir aber noch arbeiten.

Wir sind Helden

Fünf Kandidaten sind mit Sack und Pack zur großen Mutprobe angetreten. 'Wach bleiben bis um zwölf' lautet das anvisierte Ziel. Die beiden pädagogischen Fachkräfte geben sich alle Mühe, die Schar aufgescheuchter Hühner müde zu machen: spielen im Garten, Abendessen einkaufen und verputzen, unter der Führung von Herrn Lauxmann auf den Kirchturm steigen, für einen Nachtisch zur Eisdiele und wieder zurück laufen, den Wasserwirbel vor der Sparkasse ankurbeln, im großen Kindiflur ein Fußballmatch austragen ... Um halb elf ist trotz Protest Zapfenstreich mit Katzenwäsche und Schlafsackkriechen. Es folgt eine kurze aber intensive Phase kollektiven überdrehten Unsinns, doch dann schaffen es ein paar Kapitel aus einem Vorlesebuch die angehenden Helden in Morpheus Arme zu treiben. Die beiden pädagogischen Fachkräfte sinken ebenfalls auf die Matten und die Schreiberin hat passenderweise einen (Alb-)Traum vom Übernachten im Kindergarten. Am Morgen kann man dann von den verschlafenen Gesichtern genau ablesen, wie den Kindern dämmert: Wir haben es geschafft! Wir sind Helden!

Juni 2017

Im Garten

In den letzten Wochen verbringen wir die meiste Zeit im Garten, es ist auch zu schön draußen. Der große Nussbaum spendet wohltuenden Schatten, in dem an einem Tisch Schultüten gebastelt und die letzten Webrahmen fertiggestellt werden. Die scheidenden Emma-Kinder haben alle Hände voll zu tun, denn die zukünftigen Emma-Kinder stehen schon in den Startlöchern, in der einen Hand ein Webschiffchen, in der anderen ein Wollknäuel: fliegender Wechsel. Und die anderen Kinder? Sie stehen wie üblich Schlange an der Schaukel, spielen Fußball, schieben Schubkarren durch den Garten oder versuchen irgendwo eine Schaufel zu ergattern. Bei allem Gewusel übersieht man fast ein Knopf-Kind, das einfach nur im Sandkasten sitzt, Eimer vor sich, Sandschippe in der Hand und das unermüdlich, hingebungsvoll und völlig zufrieden Sand hin und her schaufelt. Immer wieder kehrt der Blick der pädagogischen Fachkraft zu diesem Kind zurück. Es lässt sich von nichts und niemandem aus der Ruhe bringen, ist ganz in seine Tätigkeit versunken. Beneidenswert! Etwas später lässt sich beobachten, wie besagtes Knopf-Kind den Eimer zum Sitz umfunktioniert hat und sich einen Spaß daraus macht, immer und immer wieder mit zufriedenem Lächeln rittlings vom Eimer in den Sand zu kippen. Als ihr Blick sich mit dem der pädagogischen Fachkraft kreuzt, wird das Lächeln zu einem Grinsen. Oh, selige Kinderzeit!

Ein kleines Stück Zuhause

Nun ist das Sommerfest auch schon wieder Geschichte. Schön wars: perfektes Wetter, köstliches Büfett, bestens gelaunte Menschen, erfolgreiches Bühnenprogramm. Die Vorschüler haben den Sprung in die Schule gewagt und die übrigen Kinder sind in die jeweils nächste Jahrgangsstufe gekrabbelt. Stolz wie Bolle tragen sie die entsprechenden Symbolanhänger auf der Brust. Nur ein paar Emma-Kinder maulen mal wieder: "Und was kriegen wir? Das ist ungerecht!" An ihre coolen, selbstgebastelten Schultüten denken sie in diesem Moment nicht. Die Eltern der scheidenden Vorschüler überreichen dem pädagogischen Personal ein höchst originelles Geschenk: ein Memory mit Fotos ihrer Kinder und eine Packung einzeln in liebevoll gebastelte und beschriftete Banderolen gepackte Schokostäbchen. "Merci für ..." steht da und dann wird so manches aufgezählt. Besonders warm ums Herz wird uns bei "... Unterstützung beim Größerwerden", "... miteinander lachen", "... in den Arm nehmen" oder "... ein kleines Stück Zuhause".

Mitbestimmung

In der Emma-Stunde soll mit den Vorschülern - im Zuge der Partizipation - ein kleines Märchen zu einem einfachen Theaterstück umgearbeitet werden. Dieses soll dann am Sommerfest zur Aufführung kommen. So ist jedenfalls der Plan. Die Geschichte mit ihren wiederkehrenden Motiven ist manchen Kindern schon bekannt. Umso besser, denkt die Schreiberin; es stellt sich aber dann als ziemlich zähe Sache heraus, den Kindern Ideen zur Umsetzung zu entlocken. Stattdessen wird gegackert und geblödelt, etwas Verwertbares für das Theaterstück ist aber nicht dabei. Nach einer Weile, die sich wie eine Ewigkeit anfühlt, wendet sich ein Emma-Kind mit klarer Ansage an die Pädagogische Fachkraft: "Warum denkst du dir das nicht alles selber aus, schreibst das auf und sagst uns dann, was wir sagen sollen?!" Dieser gute Rat wird beherzigt und inzwischen sind die Darsteller rege dabei, ihre jeweilige Rolle sehr individuell und originell auszugestalten. Also, alles zu seiner Zeit und wann die Kinder mitbestimmen wollen, das bestimmen sie selber.

Mai 2017

Hilfe, der Fotograf kommt!

Es ist unruhiger als sonst, etwas liegt in der Luft. Einige Kinder haben die Haare extra schön, tragen Hemd oder Kleid. Auch das Kollegium hat sich herausgeputzt. Alles Anzeichen dafür, dass der jährliche Fototermin ansteht. Das Nebenzimmer wird zum Fotostudio und routiniert sorgt die Kollegin laufend für Motivnachschub vor der Kameralinse. Hier noch ein paar Haare zurecht zupfen, dort einen Kragen zurechtrücken, bitte Lächeln und Klick! Natürlich gibt es immer Kinder, die nicht fotografiert werden wollen und auch nicht viel von Lächeln halten, zumindest nicht vor der Kamera. Und beim Gruppenbild dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis jeder an seinem Platz steht und dort hinschaut, wo das Vögelchen ist. „Spaghetti!“ für die Kinder, „Gehaltserhöhung!“ für das Kollegium sollen für optimales Lächeln sorgen. Oh, nein! Das Knöpfle-Kind auf dem Bobbycar fährt aus dem Aufnahmebereich heraus. Schnell zurückholen! Endlich ist auch diese Aufnahme geschafft und siehe da, jetzt lassen sich die meisten Fotoverweigerer doch noch verewigen. Die Fotografin packt ein und es ist mal wieder geschafft. Jetzt heißt es nur noch auf die Ergebnisse warten.

Die Schöpfung

Unser biblischer Geschichtenzyklus beginnt nach Ostern wieder im Alten Testament mit der Schöpfung Wir sind alle um eine große, leere Mitte versammelt, die sich parallel zur Erzählung langsam füllt. Mit Ruhe, Sorgfalt, Freude und einem gewissen Ernst vollziehen die Kinder mit Tüchern, Figuren und anderen Elementen die Schöpfung nach. Am Ende sitzen wir um ein buntes, beeindruckendes Bodenbild. Auf die Frage: "Ist es schön so? Haben wir das gut gemacht?" erfolgt von allen Seiten zufriedene Zustimmung. Ein Kind fragt: "Und wo ist jetzt Gott?" - "Gott schaut uns von oben zu", ist die Antwort des Kollegen. Ein anderes Kind hat eine Erleuchtung und aufgeregt ob der eigenen Erkenntnis sagt es: "Wir sind die Gotts." Postwendend kommt die Korrektur durch ein älteres Kind: "Das heißt nicht Gotts, das heißt Götter!" Dieser Einwand ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass die Kinder gemeinsam schöpferisch tätig geworden sind und sich jetzt über das gemeinsame Werk freuen. Vielleicht ein wenig so, wie Gott sich gefreut hat.

April 2017

Gemeinschaftserlebnis

Das Ei wurde erfolgreich gelegt, jetzt kann – dank der Eltern – gegackert werden. Der Garderobenumbau samt neuem Wandanstrich ist nämlich vorbildlich nach Plan verlaufen. Es gab an allen drei Tagen genau die richtige Anzahl helfender Elternhände (nicht zu vergessen ein Paar Kinderhände!) und der Zeitplan wurde mehr als eingehalten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Wände empfangen einen mit frischem Gesicht, der Raum wirkt großzügig und offen und der Morgenkreis wurde erfolgreich eingeführt. Die Bringzeit wird von den Eltern respektiert und die Kinder haben das neue Tageselement gut aufgenommen. Natürlich ist es für die Kinder ungewohnt im Kreis zu stehen anstatt zu sitzen, aber in diesem Fall helfen Geduld, Übung und Wiederholung. Einen Höhepunkt im Morgenkreis hatten wir auch schon, denn das erste Geburtstagskind nach der Umbauaktion wurde von allen gemeinsam gefeiert; die Kollegin war die Glückliche. Ab jetzt wird nun also jeder Geburtstag ein Gemeinschaftserlebnis.

Ein verfrühtes Ostergeschenk?

Getreu dem Bibelspruch „Lasset euch genügen an dem was da ist“ wollen wir die Garderobe verkleinern, um so mehr Raum für verschiedene Aktivitäten zu gewinnen. Kein Teil des Mobiliars soll verschwendet, sondern wiederverwendet und deshalb umfunktioniert werden. Bei der Gelegenheit werden auch die Wände einen neuen Anstrich erhalten. Erfreulicherweise haben sich genügend eifrige Eltern in die Helferliste für die dreitägige Aktion so kurz vor Ostern eingetragen, um sich im Kindergarten zu engagieren. Wir können nach Ostern endlich mit allen Kindern gemeinsam das Projekt „Morgenkreis“ starten! Und wem haben wir das dann zu verdanken? Man soll ja über keine ungelegten Eier gackern, aber wenn alles wirklich so klappt, wie es geplant ist, dann legen uns die Eltern vor Ostern noch das schönste Ei ins Nest.

Letzte Woche ...

... war ganz schön was los bei uns im Lummerland. Am Montag kam das vorerst letzte neue Kind zur Eingewöhnung. Daneben lief die Osterkörbchenproduktion auf Hochtouren. Am Mittwoch stand der Schulbesuch der Emma-Kinder an, die in der Zeppelinschule auf einer Ralley durchs Schulhaus auch viele ihrer "alten" Kindergartenfreunde wiedersahen. Alle Kinder, fünf Jahre und älter, durften am Donnerstag in die Zehntscheuer zu einer Theateraufführung. Auf die Frage. wie es denn war, meinten einige Kinder, es sei manchmal ganz lustig gewesen. Um was es in dem Stück jedoch ging, konnte nicht eindeutig geklärt werden. Die Molly-Kinder beschäftigten sich mit dem Leben der Mauersegler und das erste Emma-Kind hat mit der Herstellung seiner Schultüte begonnen. Das Team vom Kleinkindgottesdienst kam vor dem Wochenende noch mit einer Abendmahlsfeier mit Brot und Traubensaft - passend zur bevorstehenden Osterzeit - in den Kindergarten. Ansonsten waren die Tage gekennzeichnet von prima Wetter mit viel Zeit draußen im Garten und einem Freitag, der es in sich hatte: mit einigen Beulen und rappeligen Kindern.

Fahrspaß

Ein Kindergartenvater hat beim Fahrradbasar zwei Roller erstanden und uns geschenkt. Nicht, dass wir keine Roller hätten, aber die sind Marke "Kindergarten Spezial", sprich unverwüstlich und total uncool: die Ästhetik und der Charme eines Küchenhockers gepaart mit dessen Fahreigenschaften. Die zwei neuen dagegen sind bunt und haben Luftreifen, der größere eine Rücktrittbremse, einen Ständer und eine Klingel, der kleinere kann auf seinen drei Rädern ganz allein stehen und hat eine Hupe in Form eines Entenkükens, dem die Kinder Namen geben. Gemeinsam mit den Laufrädern, Dreirädern und Bobbycars ziehen die Roller auf den Gartenwegen rund um die Betonröhre ihre Bahn. Ein Molly-Kind verfolgt zu Fuß ein Knöpfle und will ihm mit großer Ausdauer das Laufrad abspenstig machen. Doch das jüngere Kind lässt sich nicht einschüchtern und das ältere muss auf die Bank und warten, bis nach drei Runden die Reihe an ihm ist.

März 2017

Qual der Wahl

„Worüber kann ich denn diese Woche schreiben?“ Diese Frage stellt die Schreiberin immer wieder ihren Kollegen und es wundert alle, wie schnell die Zeit vergeht. Soll es mal wieder um den Draußen-Tag mit dem Ausflug zum Spielplatz gehen, wo Kinder mit einer Rakete ins Weltall geflogen sind, eine riesige Holzrolle herumgeschleppt und erstaunliche Fortschritte im Klettern gemacht haben? Oder eher die zehn Minuten vor Kindergartenende, als ein Kind nichts besseres zu tun hatte als die Inhalte sämtlicher greifbarer Spiele und Puzzle in die Bauecke zu kippen, gut durchzumischen und sich dann zu weigern, aufzuräumen? Oder doch lieber über den Kuscheltiertag schreiben, bei dem ein Riesenbär mitgeschleppt und uns ein Minipferdchen als Rennmaus verkauft wurde? Vielleicht wäre es auch interessant etwas über das Bewegungsangebot für die Knopf- und Knöpflekinder zu erzählen, bei dem jede Menge bis dato unbekannte Kreisspiele durch unsere Praktikantin zum Einsatz kamen und alle viel Spaß hatten? Denkbar wäre auch der Morgen, als ein Kind einen lautstarken Rappel bekam, weil etwas nicht nach seinem Kopf ging? So viel geschieht und trotzdem ist die eingangs gestellte Frage oft nicht eindeutig zu beantworten.

Frühlingserwachen

Wenn der Frühling kommt, erwacht in manchem Kind der Jäger und Sammler. Da wird dann gerupft, gezupft, gepflückt und eingefangen. Pädagogisch betrachtet könnte man dieses Phänomen mit "kleiner Forscher" umschreiben. Ob Flora und Fauna das auch so sehen und welche Fragen so einen kleinen Forscher dabei wohl umtreiben? "Kann man aus einem Regenwurm echt zwei Regenwürmer machen?" Wie gut, wenn das Kind, das diese Frage stellt, noch einen ganzen Regenwurm in der Hand hält. Trotz kindgerechter Aufklärung und dem ständigen Vorleben achtsamen Umgangs mit Pflanze und Tier fallen regelmäßig Knospen, Schneeglöckchen- und Narzissenblüten, frische, zarte Blättchen, Ameisen, Regenwürmer, Asseln, Ohrwürmer und Marienkäfer dem kindlichen Forschertrieb zum Opfer. Umso wunderbarer, wie die Natur uns jedes Frühjahr erneut den Kindergarten bunt färbt und sich trotz allem immer wieder jede Menge Kriech-, Krabbel- und Fliegetierchen einfinden.

Ich will meine Ruhe haben

Die Schreiberin und eins unserer Knöpfle-Kinder vergnügen sich auf der Betonröhre im Garten. Da entdecken sie ein Knopf-Kind allein und mit völlig missmutigem Gesicht im Röhreninneren liegen. Ein freundliches: „Hallo!“ wird mit einem total genervten: „Ich will meine Ruhe haben!“ quittiert. Ruhig legt sich das Knöpfle neben das andere Kind und sieht es mit ausdruckslosem aber ausdauerndem Blick an. „Ich will allein sein. Der soll weg. Ich will meine Ruhe!“, kommt postwendend der weinerliche Protest. „Aber er macht dir doch nichts, er liegt doch nur da.“ - „Ich. Will. Meine. Ruhe.“ Der Vorschlag, sich doch lieber auf die Bank in die Sonne zu legen, verhallt ungehört. Wie ein Mantra, nur viel lauter, erklingt: „Ich will meine Ruhe! Der soll weg!“, immer und immer wieder. Das offensichtlich müde Knöpfle lässt sich aber auch nicht aus der Röhre locken. Im Gegenteil, andere Kinder kommen durch das Geschrei angezogen neugierig herbei und in dem Betonrohr wird es eng. Da ist es dann leider endgültig mit der Ruhe vorbei.

Ich glaub das!

In unserem Jahreslauf der biblischen Geschichten sind wir wieder einmal beim Leben Jesu angelangt. Manch ein Vorschüler erinnert sich noch ans Vorjahr: "Das kenne ich schon!" Mit Hilfe von Bildern helfen die Kinder dann beim Erzählen. "Ist das in echt passiert?", kommt am Ende schon mal ganz ernst die Frage. "Nun ja, vor langer Zeit haben Menschen diese Geschichten aufgeschrieben. Sie stehen so in der Bibel. Es gibt Menschen, die glauben, dass es so passiert ist und andere nicht." - "Ich glaub das", eröffnet ein Kind. Im Gespräch stellt sich heraus, dass es keine familiäre Vorprägung hat. "Ich liebe Gott und Jesus", sagt es einfach. "Ich möchte lesen lernen, damit ich die Geschichten von Jesus alle selber lesen kann." Jetzt sollte jemand eine Fibel-Bibel erfinden.

Februar 2017

Expedition

Die letzte der drei Fortbildungswochen für Kindergartenleitungen ist jetzt auch Vergangenheit. „Wie ging es mir, als der Kurs begann? Geht es mir jetzt anders?“ Dies sollte am Ende jede der Teilnehmerinnen für sich beantworten und visualisieren. Nach kurzem Nachdenken taucht ein Bild auf: Eine frischgebackene Leitung blickt auf einen Dschungel, ein Gewirr von Pflanzen, ein fast undurchdringliches Dickicht. Wo geht es denn bitte lang und was ist wichtig? Nach dieser Fortbildung aber ahnt sie den Weg, durchschreitet den Dschungel, nimmt jede Pflanze wahr, trägt ein Bestimmungsbuch bei sich und weiß, was im Moment wichtig ist. Das Dickicht hat sich gelichtet. Mit diesem Bild vor Augen geht es morgen in den Pädagogischen Tag und der Baum, der Früchte tragen soll, heißt Veränderung (das Bestimmungsbuch nennt dazu den Fachbegriff „change management“). Für das Team steht also eine Expedition in den Dschungel zum Baum der Veränderung an und es wird sich zeigen, mit welchen Erkenntnissen und Plänen in der Tasche der Rückweg angetreten wird.

Körperwelten

Seit einiger Zeit betreiben ein paar Kinder immer wieder in der Puppenecke anatomische Feldstudien - auf der Suche nach dem kleinen Unterschied. Wir sind im Gespräch mit den Kindern und den Eltern, letztere reden mit ihren Sprösslingen und auch untereinander. Die Erwachsenen sind sich darüber einig, wo die Grenzen sind, aber auch darüber, dass es sich um eine kindliche Entwicklungsphase handelt. Dies bestätigt die Fortbildung "Sexualpädagogik", die zwei der Kollegen besuchen. Die Herausforderung bei diesem Thema ist, den Kindern zu helfen, ihrer eigenen Wahrnehmung zu vertrauen und zu lernen, nein zu sagen - ach, und die Kirche im Dorf zu lassen, ohne sie auf die leichte Schulter zu nehmen. Ein anderer Junge steht gedankenversunken da, die Hände vorne in der Hose vergraben. "Na, suchst du was? Ist noch alles da?" Er kommt langsam zu sich, fängt zu grinsen an und geht dann zu seinen Freunden spielen. Es ist wohl alles noch in Ordnung.

Einzigartig

Es ist Freitag früh, noch etwas über sieben Stunden bis zum Wochenende. Kurz vor halb zehn sind die letzten Kinder eingetrudelt und das Frühstück ist fast vorbei. Nach einer knappen Stunde Freispiel inklusive Aufräumen treffen sich beide Gruppen im Stuhlkreis. Mit selbstgebackenen Brownies versüßt uns unsere wunderbare Sozialpraktikantin nach einer Woche geschickter Mitarbeit den Abschied. Ohne Atempause geht es hinüber ins Gemeindehaus, wo schon die Dschungelkinder und das Team vom Kleinkindgottesdienst auf uns warten. Alle bringen wir selbstgebastelte Schneeflöckchen mit und so wie jedes davon anders aussieht, so einzigartig ist auch jeder von uns; das ist das Thema. Nur wenige Kinder wollen danach noch in den Garten bis zum Abholen, aber sie haben ihren Spaß. Beim Mittagessen mit acht Kindern, Schinkennudeln und Schokopudding klingt die Arbeitswoche gemütlich aus.

Tage wie diese

Am Morgen gibt es unerwartet einen Krankheitsfall im Team und das geplante Programm muss geändert werden; der perfekte Start! Dann ist auch noch Spielzeugtag: Hier dudelt ein musizierendes Einhorn, dort lärmt eine Feuerwehrsirene und irgendwo surren ferngesteuerte Autos. Als ob es nicht so schon laut genug ist, denn gestern hat der Dauerregen das Rausgehen vereitelt und Bewegung an der frischen Luft tut Not. Im Stuhlkreis ist das Maß dann endgültig voll: "Alle Mann raus in den Garten!", da hilft kein Gemaule. Sieh einer an, in kürzester Zeit ist jeder irgendwo beschäftigt und der Nieselregen hat auch aufgehört. Alles scheint endlich gut zu sein - bis sich beim genauen Hinsehen herausstellt, weshalb unsere wilden Jungs so friedlich in der Erde graben: Sie stehen mit dem größten Vergnügen quasi bis zum Hals im Matsch. Einzeln schälen wir die Kinder aus ihrer Kleidung und letztere wird dann von uns in Dusche und Waschmaschine oder zuhause von Mama gereinigt. Entweder ist diese wenig amüsiert oder meint ganz pragmatisch: "Hauptsache, die Kinder hatten Spaß." 

Januar 2017

Kartonträume

Nachdem die neue Puppenecke den Zuspruch der Kinder gefunden hat und die Regeln zum Bespielen sich als einzuhaltend und praktikabel erwiesen haben, ist nun auch der zweite, von beiden Gruppen genutzte Raum in den Fokus gerückt. Zwei engagierte Mütter beschaffen spontan ein paar größere Kartons, von denen man im größten ein Kälbchen unterbringen könnte. Mit Hilfe eines Brotsäbels aus der Küche wird eine Eingangstür geschnitten und die Flachdachvilla wird sofort von fünf Kindern aus beiden Gruppen bezogen. Zwei kleinere Kartons als direkte Anbauten komplettieren die Mini-Siedlung. Nach einer Weile werden zwei Fenster wie gewünscht eingeschnitten, ansonsten hört und sieht man von den Hausbesetzern wenig. Da denkt man sich als pädagogische Fachkraft: "Einmal am Vormittag für zwei Minuten ganz allein in dem großen, dunklen Karton zur Ruhe kommen, das hätte was!"

Loseisen

Die anhaltende Kälte fordert uns täglich neu heraus. Das pädagogische Personal schielt fast neidisch auf die Schneehosen und -anzüge der Kinder und während Letztere in der Regel unbekümmert draußen herumspringen, treten Erstere beständig von einem Fuß auf den anderen, die Hände tief in den Taschen vergraben. Wenn die Sonne scheint, ist alles gleich ein wenig erträglicher, aber bei chronisch kalten Füßen hilft auch das nicht viel. Die Kinder wollen auf der Schaukel angeschubst werden, es müssen unentwegt Nasen geputzt oder zehn kleine Zappelmänner in Fingerhandschuhen untergebracht werden - die ultimative Herausforderung dieser Jahreszeit! Manchmal geht eine Gruppe Frierender schon mal rein, der Rest folgt dann nach, sobald die oben erwähnten chronisch kalten Füße zu Eisklötzen erstarrt sind. Jedes Mal gibt es aber noch ein paar Kinder, die nur sehr widerstrebend vom Garten loszueisen sind.

Die neue Puppenecke

Aus zwei mach eins: Wozu braucht jede Gruppe ihre eigene Puppenecke, zumal beide in die Jahre gekommen sind und das Geld nicht für zwei neue reicht? Die frisch gelieferten Möbel dübelt ein hilfreicher Vater kurzerhand an die Wand. Wir sitzen mit den Emma- und Molly-Kindern im Stuhlkreis und machen uns gemeinsam Gedanken. Welche Verhaltensregeln sollen gelten? Wie wird mit den neuen und alten Spielsachen umgegangen? Welche Wünsche und Ideen haben die Kinder für ihre neue Puppenecke und was davon lässt sich umsetzen? Tags darauf dürfen die Emma-Kinder als erste in dem neu ausstaffierten Raum spielen. Zuvor werden noch ein Mal die besprochenen Regeln rekapituliert und - siehe da - auch eingehalten. Am Ende der Woche haben sich auch schon ein paar Molly-Kinder beim Spiel bewährt und wir gehen zuversichtlich in die nächste Zeit.

Dezember 2016

Das große Aufräumen

... findet dann nach der Weihnachtsfeier statt, am Freitag vor Weihnachten. Was bis dahin noch nicht erledigt worden ist, wird jetzt getan. Die Utensilien der Weihnachtsfeier und all die anderen Dinge, die in den letzten Tagen mal eben kurz hier und da abgestellt worden sind, müssen aufgeräumt werden. Die Adventsdekoration, die Basteleine an Fenstern, Türen, Decken, der Adventskranz, der Adventsstrauß, die Kerzen vom Adventsflüstern, alles muss bis zum nächsten Jahr verstaut, in die Sammelmappen der Kinder verteilt oder der Mülltrennung zugeführt werden. Fenster putzen, abstauben, Spielzeug aussortieren, Garderobenschränke auswischen, alte Plakate abhängen, Bücher sortieren und kleben, die Nebenzimmer ausräumen, damit der Boden in den Ferien wieder aufgearbeitet werden kann, letzte Abrechnungen machen, Mails schreiben, den Kühlschrank leeren ... Obwohl, das Fensterputzen hat der Kollege schon am Donnerstagvormittag gemeinsam mit ein paar Kindern erledigt, wobei sich vor allem ein Molly-Junge mit erwähnenswerter Ausdauer, Geschick und Engagement hervorgetan hat. Arbeit kann auch Spaß machen, denn lustig war es allemal.

Frohe Weihnachten

Und dann ist es soweit: Alle, die können und wollen, treffen sich am Donnerstagabend in der Stephanuskirche zur jahresabschließenden Weihnachtsfeier. Das Fünkchen Hoffnung hat nicht getrogen. Große wie kleine Kinder singen die Lieder mit Freude und Hingabe, es geht überwiegend ernsthaft und geordnet zu, während der Weihnachtsgeschichte herrscht andächtige Stille und die Emma-Kinder meistern ihre Sprechrollen mit Bravour. Ach ja, die Technik spielt ebenfalls fehlerfrei mit! Zentnerlasten von Anspannung fallen von uns allen ab. Am Ende wechseln Geschenke, herzliche, dankende Worte und viele guten Wünsche die Besitzer. Zwei Wochen (Kinder-) freie Zeit liegen vor uns pädagogischen Fachkräften. Diese widmen wir unserem Leben außerhalb des Kindergartens. Gedanklich allerdings wir Letzterer uns nicht loslassen, denn vieles muss vorgedacht und geplant werden.

Endspurt - Der Countdown läuft

Wir alle haben das letzte Adventsflüstern unbeschadet überstanden, die vierte Kerze am Adventskranz darf endlich zeigen, was in ihr steckt und das Adventsbüfett toppt alles, denn es besteht zu 25 % aus ungesunden aber weihnachtlichen Leckereien: Spekulatius und Schokonikoläuse. Die Vorbereitungen für die Weihnachtsfeier sind in die heiße Phase eingetreten. Sind alle Geschenke für die Eltern fertig? Klappt es mit den Liedern? Sitzen die Texte? Erschwerend kommt - wie jedes Jahr übrigens - hinzu, dass die Anwesenheit aller Beteiligten einem Roulettespiel gleicht. Die abwechselnd leeren Plätze am Frühstück sind stumme Zeugen dafür, wer wieder wegen eines Infekts das Bett hüten muss. Entsprechend situationsorientiert, oder besser noch improvisatorisch, geht es zu. Die Hauptprobe in der Kirche stimmt uns nicht gerade hoffnungsvoll. Irgendwie klappt es gar nicht. Nun ja, es wäre auch die erste perfekte Hauptprobe; am Ende hat die Aufführung aber doch immer geklappt. Da ist es dann, das Fünkchen Hoffnung.

Reflektion

Waren alle auf der Toilette? Sind alle Jacken zu, Mützen und Handschuhe an? Hat jeder einen Partner? Klar, es ist Draußen-Tag. Das Ziel: über die Hauptstraße zum Lehmgrubenweg, Hausbesuch bei einem Kind. Moment mal, hat nicht letzte Woche der Nikolaus von den Stadtwerken auch uns mit gelben Leuchtwesten bedacht? Das ist die Gelegenheit zur Einweihung! Zwar dauert es, bis alle Kinder damit ausgestattet sind, der Effekt ist allerdings im wahrsten Sinne des Wortes beachtlich: Keiner tanzt mehr unbemerkt aus der reflektierenden Reihe, die anderen Verkehrsteilnehmer erscheinen plötzlich viel aufmerksamer und wir Erwachsenen fühlen uns mit unserer Schar irgendwie sicherer. Eine ältere Passantin kann nicht an sich halten: "Ach, ist das mal goldig! So was Niedliches hab ich schon lange nicht mehr gesehen!" Na, das hört man doch gern. Wir machen unseren Besuch und kehren dann zurück zum Kindi und zum Kollegen, der mit einem Kind unterwegs umdrehen musste, weil es bei Letzterem mit dem Toilettengang vor dem Loslaufen nicht so geklappt hat.

Sicherheitsabstand

Am 6. Dezember sitzen beide Gruppen nach dem Frühstück gemeinsam im Stuhlkreis. Durchs geöffnete Fenster zieht kühle Frischluft – und ein feines Läuten. Der Nikolaus kommt zum Gartentor herein. Alle drängen zum Fenster. Alle? Einer nicht, er beginnt zu weinen und kommt auch auf dem Arm nicht zur Ruhe. Dann steht der Mann im roten Mantel im Kreis, worauf ein weiteres Kind in Tränen ausbricht. Mit den beiden Furchtsamen zieht sich die Schreiberin schnell in den Flur zurück. Von dort aus entspannen sich die Gesichter in kurzer Zeit und wir lauschen dem Lied der anderen Kinder und den Worten des rotgewandeten Besuchers. Doch das Interesse der beiden Kleinen lässt schnell nach. Sie verziehen sich in die Bauecke des leeren Gruppenraums und schieben vergnügt Züge über die Holzschienenbahn. Dass die Kollegin, das Dankgeschenk für den Nikolaus suchend, hereinschaut und jener kurz darauf nach getaner Arbeit und unter dem Gesang eines Abschiedslieds davonstapft, geht an ihnen vorbei. Nächstes Jahr vielleicht.

Ansichtssache

Diese Woche: Am Draußen-Tag beim Spaziergang sagt ein Junge entschlossen: "Ich geh nie mehr in den Kindi." Er friert. 13 andere Kinder dagegen sind im Anschluss daran noch mehr als eineinhalb Stunden vergnügt im Garten draußen. "Ich mag keinen Stuhlkreis", mault ein anderer Junge. Er mag das Sitzen nicht. Manche Kindern wiederum könnten ewig Stuhlkreis machen. "Das Adventsflüstern ist richtig schön", meint eine Mutter in der ruhigen, stimmungsvoll beleuchteten Garderobe. 'Das Adventsflüstern ist anstrengend', denkt die Schreiberin, als sich Kinder – natürlich ohne zu flüstern – ausdauernd um Eisenbahnwaggons und Schienen streiten und sich das Kollegium mit dem ständigen "Pst! Leise sein!" gegenseitig auf die Nerven geht. Im Stuhlkreis artet dann das Pinguin-Eisbär-Spiel in noch größerem Geschrei und Chaos aus als sonst. Dabei sind sich alle Schreihälse einig, dass gemeinsam singen und spielen Spaß macht, nur leiser sollte es dabei zugehen. Später, beim Werkeln am Maltisch, verkündet ein kleines Mädchen aus heiterem Himmel und im Brustton der Überzeugung: "Ich lieb' den Kindi. Kindi macht Spaß!"

November 2016

Vor-Adventsfreude

Am Draußen-Tag (Donnerstag) steht der Besuch zuhause bei zwei Kindern an. Wir machen vor Ort unsere Fotos. Da schaut bei einem Kind die Mutter aus dem Fenster und lädt uns zum Kaffee ein; mit gut 30 Kindern?! "Kein Problem", meint sie gastfreundlich und überaus glaubwürdig. Wir winken ab, müssen weiter. Vor einem Haus schneidet ein älterer Herr eine Thujahecke. Der sehnsüchtige Blick der Schreiberin auf das Schnittgut entgeht ihm nicht. "Nehmen sie soviel sie wollen", bietet er an. Herzlichen Dank. Mit einer Tüte voll ziehen wir ab. Am Nachmittag liefert uns der nette Herr noch extra große Zweige frei Haus! Tags darauf brennen morgens überall Kerzen im Kindi und wir flüstern wieder bis zum Ende des Frühstücks. Der Advent steht spürbar vor der Tür. Das Überlassene Reisig wird zu einem Adventskranz verarbeitet und reicht auch noch zu einem Strauß für die Bodenvase. Viel Grund zur Freude schon vor dem ersten Advent!

Bub Ungeduld

"Oma!", schreit der Frieder und zupft an Omas Rock. Frieder wartet sehnsüchtig auf Schnee, er will endlich einen Schneemann bauen. Aber - wie Frieder so ist - er weiß sich zu helfen. Statt eines Schneemanns baut er kurzerhand die Oma aus Müll mit leeren Dosen, angeschimmelten Apfelsinen und einem Salatblatt. Auch Oma fällt etwas ein. Ihre Zeitung verarbeitet sie zu Zeitungsschneeschnipseln und lässt es für Frieder in der Küche schneien. Unsere Kinder haben auch so eine innere Unruhe, wie jedes Jahr um diese Zeit: der blattlose, oft trübe Herbst, die Vorahnung der Advents- und Weihnachtszeit. Da wäre ein wenig Schnee nicht schlecht. Am besten geht man raus, sofern er nicht dauerregnet oder Stein und Bein friert. Ansonsten ist gerade jetzt die Zeit fürs Vorlesen, zum Beispiel die zeitlosen Geschichten von Frieder und seiner Oma. Die haben wir wiederentdeckt.

Laternenabend

Die Laternen sind gebastelt (siehe Homepage-News Oktober) und die passenden Lieder sitzen; die beabsichtigte Wegstrecke wird spontan an die kalte Witterung angepasst (verkürzt und ins Ortszentrum verlegt); der von der Firma Matter kostenlos überlassene Gasgrill (wärmsten Dank an dieser Stelle) schafft es mit Hilfe des Elternbeirats spielend, die rückkehrenden Laternenläufer mit knackigen, heißen Würsten zu versorgen; die Kollegin hat, wie jedes Jahr, einen einmalig süffigen Punsch gezaubert: alles in allem die besten Voraussetzungen für einen schönen Laternenabend. Den hat dann auch ein jeder. Einige Kinder finden viel Spaß daran, die zu überquerenden Straßen absperren zu helfen und sich mit Warnwesten und Laternen bewaffnet den Autos in den Weg zu stellen. An vier Stationen lassen wir unsere Lieder in den Abendhimmel steigen, während der Mond auf uns herabscheint.

Ohne Kinder

Einen Tag ohne Kinder in der Einrichtung verbringen: Wunsch- oder Alptraum? Weder noch. Es ist Pädagogischer Tag; den gibt es bei uns zweimal im Jahr. Dabei geht es um Inhalte, die unsere Arbeit weiterbringen und den Alltag erleichtern. Es geht um das Verändern, Anpassen und Nachjustieren unserer Arbeit im Hinblick auf die sich immer wieder verändernde Zusammensetzung unserer Kinderschar und ihre Bedürfnisse, die Elternarbeit, die Anforderungen von außen, sowie um das Qualitätsmanagement. Auf der Tagesordnung stehen die pädagogische Planung bis zum Jahresende, die Einführung und Erprobung einer Ergänzung zu unserem Beobachtungssystem, die Überprüfung unserer Alltagsrituale und die Nutzung und Umgestaltung unserer beiden Nebenräume. Ein straffes Programm. Am Ende sind wir richtig zufrieden mit dem was wir geschafft haben – an unserem Tag ohne Kinder, aber für die Kinder. Mit denen geht es dann nach der Feiertagspause mit neuem Schwung wieder weiter.

Oktober 2016

Laternenwerkstatt

An unseren beiden langen Tagen waren die Eltern eingeladen, nachmittags mit ihren Kindern gemeinsam Laternen zu basteln. Im letzten Jahr standen noch Igel- und Apfellaternen zur Auswahl, diesmal konnte zwischen Rabe und Pilz gewählt werden. Viele Eltern überließen ihren ambitionierten Kindern das Ausschneiden, Bemalen und Zusammenkleben der Einzelteile, das Ergebnis in seiner ganzen, unverwechselbaren Einzigartigkeit begrüßend. Bei anderen Kinder-Elterngespannen gab es einvernehmliche und kameradschaftliche Arbeitsteilung. Wie immer blieben aber auch ein paar Eltern auf der ganzen Arbeit sitzen. Ihre Sprösslinge hatten sich schon vorab in die Bauecke oder nach draußen in den Garten verzogen, um mit anderen Kindern zu spielen. Dafür hatten dann besagte Bastler aber Zeit für ungestörte Gespräche mit „Leidensgenossen“ – eine kleine Auszeit vom Alltag. Irgendwie gelang es auch den Familien, die mehr als einem Kind in unserer Einrichtung haben, alle Pilze bzw. Raben an einem Nachmittag anzufertigen. Wie viele Laternen sich da so im Laufe der Jahre wohl in den Kellern oder auf den Dachböden ansammeln mögen?

Herbstzeit ist Nusszeit

Auf dem großen Walnussbaum im Garten sind die inzwischen braun-schwarzen Fruchthüllen aufgesprungen und die Nüsse leuchten verlockend von oben herab. Nur wenige liegen am Boden, zu wenig für die vielen Kinder. Da muss nachgeholfen werden, soviel steht fest. Während ihrer Gartenzeit werfen deshalb vier unserer Emma-Kinder eine kleine Sandschaufel aus Plastik auf gut Glück in die Zweige. Der Erfolg ist mäßig und die Schaufel bleibt sowieso bald im Geäst hängen. Als wir dann alle im Garten sind, geht es darum, die Schaufel wieder vom Baum zu holen. Eine weitere Schaufel wird herangezogen, später ein Wurfring und - als beide auch nicht mehr wieder herunterkommen - ein kleiner Ball. Seiner Form ist es dann zu verdanken, dass er nicht auch noch oben bleibt. Viele Kinder sind bei dieser Aktion mit sehr viel Ausdauer beteiligt; leider erfolglos. Im Lauf der Woche tragen Wind und Regen dazu bei, dass die Nüsse dann von ganz allein und in größerer Zahl vom Baum fallen. Leider gilt das nicht für die Schaufeln und den Wurfring.

Funktionsräume

Die meisten Kitas haben heutzutage Funktionsräume, wie Atelier, Konstruktionsraum, Bewegungsbaustelle, Schreibwerkstatt, Snoozleraum … Da wir aber ein kleiner Kindergarten sind, gibt es bei uns noch die „Ecken“: zum Bauen, Malen, Lesen, Puppenspielen usw. Das funktioniert aber auch. Außerdem haben wir ja noch das Bad für Alltagsexperimente, den Garten zum Toben und nicht zuletzt das Büro als ganz persönlichen Wunderraum. Immer wieder zieht es wie magisch Kinder an, die fasziniert auf die phantasievollen, wechselnden Hintergrundbilder am PC starren, schnurstracks auf die Computertastatur einhacken, Locher, Tesafilm und all die vielen anderen spannenden Dinge befingern und tausend Fragen stellen: Was machst du da? Was ist das? Wozu ist das? Kann ich das mal haben? Wem gehört das? Wer hat das gekauft? Man muss schon sagen, unser kleines Büro ist aber auch wirklich sehr bunt und mit tausend anregenden Dingen bestückt – fast wie ein farbiges Wimmelbild. 

"Ich will auch mal Chef sein!",

meint ein Emma-Mädchen launisch aber mit Nachdruck kurz vor dem Stuhlkreis. Nun gut, weshalb auch nicht? Wir hatten diesen Rollentausch bereits hin und wieder einmal. Die Emma-Kinder stellen den Stuhlkreis, dann nimmt die junge Chefin auf dem Chefsessel Platz und genießt dies erst einmal gründlich. Mit ein wenig Assistenz bekommt sie alles gut auf die Reihe - und schon meldet sich der nächste Aspirant auf den "Chefposten". Eine Woche später kommt er an die Reihe und der Emma-Junge erledigt seinen Job mit einer Ruhe und Gelassenheit, dass man neidisch werden könnte. Alle Stuhlkreiselemente werden zügig und bestimmt abgehakt, es gibt keine Diskussionen, kein Gemaule, es ist ruhig wie schon lange nicht mehr. Ja, wenn das immer so gut klappt, dann übergeben wir den Stuhlkreis an die Kinder und beobachten nur noch. Aber - schwant uns alten Pessimisten - wahrscheinlich klappt es doch nur, weil es im Moment noch neu ist. Wir werden ja sehen.

September 2016

"Theo, spann den Wagen an",

singen die Kinder lauthals und "hol die goldnen Gaben." Wir üben für den Erntedankgottesdienst. Der Liedtext ist sprachlich eine Herausforderung und inhaltlich für die Kinder ein Buch mit sieben Siegeln. Was für ein Wagen? Wer wird angespannt? Was sind Garben? Und wer, um alles in der Welt, ist Theo? Da sind einige Erklärungen notwendig. In Haus und Garten hört man dann immer wieder Groß und Klein summen und singen; "Hejo, spann den Wagen an!". Beim Gottesdienst versuchen wir uns mit der Gemeinde am Kanon. Einige Kinder werden dabei von der ohrwurmigen, eingängigen Melodie so mitgerissen, dass sie volltönend und über jedes vorgegebene Tempo erhaben am Ende das Rennen mit deutlichem Vorsprung gewinnen.

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!

Die Luft ist still, als atmete man kaum. - War es nicht erst gestern, als wir auszogen, den Herbst zu suchen? Kaum zu fassen, aber ein ganzes Jahr ist inzwischen wie im Flug vergangen. Wir machen einmal mehr unseren Rundgang durch Flur und Streuobstwiesen; Wendepunkt ist der Zeppelinstein. Die Sonne lacht vom blauen Himmel, die Felder sind leergeräumt bis auf Kraut, Sonnenblumen und vertrockneten Mais. Buntes Laub ist allerdings (noch) Fehlanzeige. Es lockt die Abzweigung zum Spielplatz, aber heute bleiben wir hart. Einige Kinder wollen dann alles über die Gedenksteine und den Zeppelin wissen. Das gab es schon lange nicht mehr. Gelegenheit also, demnächst das Buch "Der Tag von Echterdingen" aus dem Regal zu holen und es mit den Interessierten anzuschauen. So bestätigt sich einmal mehr: Irgendwie wiederholt sich alles und es ist zwar meistens das Gleiche aber nie dasselbe - und langweilig schon gar nicht.

Bananenfüße

Eines unserer Kinder hat zum ersten Mal ganz allein die Schuhe angezogen. "Guck mal!", sagt es stolz und erwartet Beifall. "Prima!", freut man sich aufrichtig, aber soll man das strahlende Kind auf die so unnatürlich nach außen gedrehten Schuhspitzen hinweisen? Immer wieder ziehen Kinder Schuhe an die verkehrten Füße, Hauptsache ein Schuh und ein Fuß haben sich gefunden. "Wie krieg ich das nur an mein Kind hin?", fragt eine Mutter etwas frustriert. Und wirklich, den Hinweis "Die Schuhe sind aber verkehrt herum!" quittiert das Kind mit einem überzeugten "Nein!". Ein Mädchen hat sogar den ganzen Marsch am Draußen-Tag völlig unbemerkt und vergnügt mit Bananenfüßen gemacht. Nun, es scheint also, als habe erstens jedes Kind sein eigenes Schuh-Fuß-Relations-Aha-Erlebnis, zweitens verfügen Kinder wohl über Gummifußknochen und drittens ist uns kein Fall bekannt, in dem ein Kind mit Bananenfüßen eingeschult wurde. Also, kein Grund zur Panik. "Das hast du toll gemacht. Ich hoffe, es ist bequem so."

Kindergarten GO!

Immer wieder nach den Sommerferien fangen wir wieder von vorne an. Wenn sich das jetzt nach Langeweile anhört - weit gefehlt. Klar, die Mehrheit der Kinder kennt man aus der letzten Runde schon, es gibt aber auch wieder neue zu "fangen". Das Ziel ist nach wie vor die individuelle Weiterentwicklung jedes Kindes anknüpfend an seine Stärken. Auf dem Weg dahin wird uns Altbekanntes begegnen, es warten aber auch neue Herausforderungen und Aufgaben auf uns. Wir sind gespannt. Begleiten Sie uns doch einfach dabei, am besten mit Interesse und Wohlwollen. In diesem Sinne: Kindergarten GO!

Juli 2016

Dem Himmel so nah...

Unsere alten und neuen Emma-Kinder treffen sich mit Herrn Pfarrer Neudorfer vor der Kirche zu einer exklusiven Führung. Noch völlig ahnungslos formiert man sich zum Gruppenfoto. In der Kirche stellen sich einige Fragen: Wozu sind diese vielen Bücher? Was macht der Fisch im Taufbecken? Wie kommt der Pfarrer auf die Kanzel? Herr Neudorfer nimmt Anlauf, aber es reicht nicht ganz. Es muss einen anderen Weg geben. Über die Treppe darf schließlich jeder mal die Kanzel erklimmen und den Blick über die leeren Bankreihen schweifen lassen. Über eine andere Treppe kommen wir dann den Kirchturmglocken ganz und dem Himmel wenigstens ein Stückchen nah. Die Aussicht ist prima und es läutet sogar eine der Glocken – freundlicherweise nur zur Viertelstunde. Wieder zurück am Boden gibt es ein Ständchen für unseren Pfarrer und das Bild danach. Sehen wir nun nicht alle ein wenig gescheiter aus?

 

Links, rechts, links

Mit zwei elektrischen Druckampeln in Kindergröße und einem Zebrastreifen zum Ausrollen im Gepäck sucht uns Frau Weber vom ADAC im Dienst der Verkehrssicherheit auf. Bobbycars und gespannte Kinder zwischen vier und sechs Jahren steuern wir bei. In einer Trockenübungsphase darf jeder mindestens zweimal über die Ampel gehen, um danach auf einem der Fahrzeuge das Ganze aus der Perspektive eines motorisierten Verkehrsteilnehmers zu erleben. Dann geht es hinaus ins echte Leben; quasi vor der Tür gibt es sowohl Zebrastreifen als auch Druckampel. Zu zweit, Hand in Hand, geht es zuerst über den Überweg. Links, rechts, links schauen, die Autos und ihre Fahrer im Auge behalten, zügig hinübergehen – so die Theorie. 

 

 

Wie gut, dass Frau Weber assistiert und genau aufpasst. Ebenso an der Druckampel. Was man da alles beachten muss. Und während ausgiebig nach den Autos geschaut wird und ob sie auch wirklich anhalten, kann es passieren, dass die Ampel auch schon wieder auf Rot schaltet. Da muss noch geübt werden, z. B. an den Draußen-Tagen und mit Papa und Mama. Aber die Grundlagen sind schon mal vorhanden.

Wie schön, dass du geboren bist

Diese Woche findet der Kindi im Garten statt, samt Fahrzeugen, Fußballspielen, Mal- und Basteltisch u. v. m. Am Mittwoch gibt es mal wieder einen Abschied: Zwei Schwestern kehren mit ihren Eltern nach zwei Jahren bei uns in die USA zurück. Das ist ein etwas anderer Abschied, denn diesmal trennt uns ein ganzer Ozean. Am Donnerstag bereisen wir mit den Emma-Kindern den Killesberg von oben bis unten. Mittags besucht uns dann eine unserer ehemaligen Familien und bringt zum Ende des Ramadan eine große Tüte voll Obst für die Kinder mit. Am Freitag frühstücken wir bereits draußen und es gibt Melonenstücke aus dieser Obstspende. Später feiern wir noch alle gemeinsam einen Geburtstag. „Ach, ich mag nicht mehr feiern. Erst Abschied, dann Geburtstag …“, seufzt ein Mädchen etwas bedrückt. In genau einer Woche nämlich ist ihr Abschied an der Reihe, weil auch sie mit ihrer Familie in die USA zurückkehren wird. Es ist wirklich zum Heulen. „Weißt du, ich bin traurig, dass ich gehen muss, aber ich freu mich auch auf das neue Haus“, fasst sie den Zwiespalt ihrer Gefühle zusammen. ‚Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …‘, dichtete Hesse. Das Wort zum Schmunzeln und zum Wochenende kommt von einem demnächst Vierjährigen. Völlig ungewahr dessen, dass er belauscht wird, singt er – frei nach Rolf Zuckowski: „Wie schön, dass ich geboren bin, ich hätte mich sonst sehr vermisst.“ Wie wahr, dem ist nichts hinzuzufügen.

Ausflug zum Langwieser See - aus der Sicht der Nachhut erzählt

Wenn man all das erzählen möchte, was im Amtsblatt keinen Platz gefunden hat, all die kleinen, liebevollen Details, wird es auch diesen Rahmen sprengen. Also geht es eigentlich nur darum, die richtige Auswahl zu treffen. Das soll hier versucht werden.

Und wenn man am Draußen-Tag mal etwas weiter weg gehen möchte, braucht man eine gute zeitliche Planung und schönes Wetter. Das ist der Fall.

Das Frühstück wird nach vorne verlegt, damit es um 9.40 Uhr auf die S-Bahn zum Flughafen reicht. Trotz allem wird es wie immer knapp. Bis jeder auf der Toilette ist, Schuhe an den Füßen hat, das Käppi auf dem Kopf und dann auch noch sonnenimprägniert ist, müssen wir unter den ständigen, panischen Rufen der Schreiberin: „Schneller, die S-Bahn wartet nicht auf uns!“ die Hände in die Beine nehmen. Bis das Emma-Mädchen das unseren kleinsten Knopf an der Hand führt leicht verzweifelt und doch freundlich meint: „Ich zieh ihn ja schon so gut ich kann, aber seine Beine können nicht schneller laufen.“ Das bringt die Mahnerin verschämt zum vorübergehenden Verstummen. Sie nimmt den Zwerg mit den kurzen Beinen auf den Arm und letztendlich sind wir dann doch ein paar Sekunden vor der S-Bahn am Bahnsteig. Eine Station bis zum Flughafen, dann von der Haltestelle hoch auf die Ankunftsebene, durch Ströme von Koffern hinter sich herziehenden Reisenden.

 

 

Da muss auch schon unser erstes Kind aufs Klo und es finden sich sofort noch zwei weitere Mitgänger. Währenddessen stehen sich die anderen schön in Reihe und Glied die Beine in den Leib. Dann endlich geht es hinaus ins Freie, über sämtliche Bus- und Autospuren hinüber Richtung Mövenpick Hotel. Als wir auf den breiten Weg davor einbiegen, dürfen die Kinder endlich die Hände loslassen und in ihrem eigenen Tempo weiterlaufen.

 

 

Sofort entzerrt sich die Meute und während die ersten sich schon auf der Messepiazza ausruhen, zockeln die letzten noch in aller Gemütsruhe – zwei Schritte vor, einen zurück – durch die Unterführung hinterher. Die Sonne strahlt vom Himmel und blendet uns fast auf der großen, weiten und hellen Fläche des Messeplatzes.

 

 

Als alle 34 Kinder und fünf Betreuer wieder vereint sind, geht es gemeinsam in Richtung Bosch-Parkhaus. Sobald die Richtung klar und die Schlucht der riesigen, leeren Autogarage erreicht ist, stürmt die Vorhut davon, das Mittelfeld folgt und die beiden Betreuer am Ende des Zuges sammeln alles ein, was verloren zu gehen droht. Manchmal ist ein wenig schieben, ziehen, plaudern, überreden und tragen notwendig – und fotografieren.

 

 

Aber auch an der Spitze des Trosses muss zurückgepfiffen und getragen werden. Und dann, bevor es an den Abstieg nach Plieningen geht, verspüren plötzlich drei Mädchen das Bedürfnis, das sie besser auf der Flughafentoilette gestillt hätten. Wo soll man in dieser Betonwüste pinkeln, wenn es doch so dringend ist? Aber wir sind ja erfahrene Draußen-Tagler. Ein Abflussgitter, das ziemlich ausgetrocknet daliegt, kommt wie gerufen. Nach dieser Erleichterung geht es am Ende des Parkhauses nur noch abwärts und die Beine laufen fast wie von allein; bei den meisten jedenfalls.

 

 

Mehrmals wird die Lauf- und Sichtrichtung geändert, einmal geht man direkt auf die Autobahn zu, auf der die Autos ohne Ende dahin strömen, dann blickt man auf eine weitere Unterführung und in der Ferne ist der Kirchturm von Plieningen zu sehen.

 

 

Wir tauchen in ein Stück satte Sommernatur ein.

 

 

Oh, was es da alles zu sehen gibt, wenn man denn hinschaut. Die Schlusslichter nehmen sich besonders viel Zeit. Jedes Blümlein am Wegrand wird geprüft, ob es sich denn zum Mitnehmen eignet. Ein kleines, durchscheinendes Schneckenhäuschen wird bewundert und einem Paar zarter Kinderhände überlassen, bis es keine zehn Meter später bedauernd heißt: „Oh, jetzt ist es zerbrochen!“ und das Kind nur noch Einzelteile in der Hand hält. So, jetzt hat es diese Erfahrung auch gemacht und die pädagogische Fachkraft schwört sich innerlich zum hunderttausendsten Mal, nie, nie wieder einem kleinen Kind einen zarten und zerbrechlichen Gegenstand anzuvertrauen. Da entdeckt sie am Wegrand einen Frosch; er ist tot und schon ziemlich vertrocknet, also keine Gefahr mehr für das Tier von Seiten der Kinder. Diese bemerken seinen Zustand allerdings nicht, starren dann aber umso faszinierter, als sie darüber informiert werden.

 

 

„Ich muss mal!“, hört man zur Abwechslung mal wieder ein Kind und schon schließen sich zwei weitere an. Ein kleiner Junge schafft es allein und im Stehen, ein Mädchen vergeht es angesichts von Ameisen, kitzelnden Grashalmen und interessierten Zuschauern wieder. Auf diese Weise wird der Weg im Schneckentempo bewältigt, zumindest am hinteren Ende unserer Gruppe. Die Spitze und das Mittelfeld sind längst nicht mehr zu sehen, bereits um die Ecke zum See abgebogen und hinter Gebüsch und Bäumen verschwunden. Aber irgendwann haben es auch die letzten geschafft und tappen über die kleine Holzbrücke, schieben die Köpfe zwischen dem Geländer durch, um den Rennebach darunter zu bewundern, der ein wenig verwunschen durch eine grüne Buschhöhle über Steine plätschert.

 

 

Der Langwiesener See hat, wie für uns geschaffen, ein Metallgeländer, an dem sich die Kinder aufreihen und auf die algig-grüne Wasserfläche starren.

 

 

Sie entdecken Herrn und Frau Ente, am anderen Ufer einen faul in der Sonne stehenden Reiher, ein Junge will sogar Fische gesehen haben.

 

 

Ein amerikanisches Mädchen fragt die Kollegin: „Excuse me, did we come here to see ducks?“ Diese antwortet etwas irritiert: „Ja? Magst du keine Enten?“ Darauf das Mädchen: „Yes, I like ducks, but we walked so far ...“ Vielleicht hat sie ja nach dem gefühlt meilenweiten Marsch etwas Spektakuläreres erwartet. Bald darauf ruft ein Junge aus vollem Herzen: „Da habt ihr aber ein schönes Plätzchen ausgesucht!“ Es ist immer faszinierend, wenn Kinder ihren Empfindungen Ausdruck verleihen. Während die Kollegen sich mit den Kindern am Teich und am Bächlein aufhalten, wird der Rucksack geöffnet und die Trinkrunde eingeläutet. Da sind alle auf einmal ziemlich durstig und die Schreiberin kommt kaum mit Einschenken hinterher. Zum Glück gibt es drei große Wasserflaschen. Natürlich bleibt dies nicht folgenlos, man ahnt es schon. Also, ein Plätzchen etwas abseits suchen, die Gaffer verscheuchen, Hose runter, Kind an den Kniekehlen halten, in die Hocke gehen und die Unterarme auf die Oberschenkel stützen (Rücken schonende Haltung) – und hoffen, dass es schnell geht! - Welchem Leser das zu viel Pinkeln ist, dem sei gesagt, dass es an diesem Tag das letzte Mal vor der Rückkehr in den Kindergarten ist und: „Willkommen in der Welt des Kindergartens“. Nachdem der Wasserhaushalt bei allen wieder im Lot ist, müssen wir uns auch schon wieder auf den Rückweg machen. Dieser lässt sich ziemlich kurz fassen, denn es ist derselbe Weg und es gibt wieder dieselben Laufgruppen.

 

 

Ganz hinten geht es spannend zu. Drei kleine Mädchen gehen mehr oder weniger gemeinsam, wobei zwei von ihnen der Blumensammeltrieb gepackt hat. Die eine jedenfalls pflückt mit Hingabe zwei, drei Blütenköpfe ab, präsentiert sie glücklich und verkündet: „Die bring ich meiner Mama.“ Die zweite hätte auch gern Blumen, findet es aber bequemer, sie der anderen Sammlerin aus der Hand zu nehmen. Das führt natürlich zu Protesten und Unmutsäußerungen. Die dritte hält sich völlig heraus, mag wohl keine Blumen, die beiden anderen aber versuchen immer wieder, sie in ihre Hühnerkämpfe mit hineinzuziehen. Das trägt natürlich nicht zur Beschleunigung des Rückwegs bei. Leider hilft es auch nichts, gemeinsam mit der kleinen Blumenräuberin genau die gleiche Blume abzupflücken, die sie gern von der anderen haben möchte. Als letztere nämlich unbemerkt eines der Blumenköpfchen verliert, die sie auf der offenen Handfläche vor sich herträgt, hat das eine bemerkt – wer wohl? Klar, da geht die Streiterei wieder von vorne los. Man sollte ein paar mehr Arme haben und sich die Damen unter dieselben klemmen können, aber die Arme sind schon besetzt, zwei Kinder wechseln sich mit getragen werden ab. Aber auch vorne wird wie auf dem Hinweg etappenweise geschleppt.

 

 

Vor dem Mövenpick Hotel sortieren sich die Truppenteile wieder zu einer ordentlichen Zweierreihe und es geht zurück zur S-Bahnhaltestelle im Flughafen, wo bereits die Bahn zur Abfahrt wartet. Wie schön, es ist ein Zug mit Überbrückungshilfe, d. h. der Spalt zwischen Bahnsteig und Waggon wird von einer Metallschiene gedeckelt. So können keine kleinen Beinchen mehr in Gefahr geraten, hängen zu bleiben. Sitzplätze gibt es ausreichend für alle, Echterdingen ist schnell erreicht. Die Fahrt ist gerade mal lange genug, um einem kleinen Mädchen die Schuhe richtig herum anzuziehen. Sie hat sich diese im Kindergarten wohl selbständig an die Füße gewerkelt und keiner von uns Großen hat auf dieses Detail acht gegeben. Der prüfende Blick über die Kinderfüße hat offensichtlich  nur registriert, ob es sich um Straßen- oder um Hausschuhe handelt und nicht, ob sie auch an den richtigen Füßen stecken … Auf dem Bahnsteig wird noch einmal nachgezählt, ob auch alle 34 Kinder ausgestiegen sind. Als das Ergebnis feststeht, ist es jedoch zu spät, noch etwas daran zu ändern, denn der Zug ist abgefahren. Zum Glück sind wir vollzählig. Über den Rückweg zum Kindergarten kann getrost der Mantel des Schweigens gehüllt werden. Fünf Minuten nach unserer Ankunft sitzt das gesamte Personal erschöpft und in langsam sich lösender Anspannung auf den Bänken, wohingegen die Kinder schon wieder völlig vertieft im Sand buddeln oder sogar eine neue Auflage des zur Zeit hoch beliebten Fußballmatches Italien gegen  Deutschland austragen. Die ersten Eltern holen ihre Kinder ab und mögen sich verwundert fragen, warum das pädagogische Personal gerade mal ein müdes Lächeln für sie übrig hat. Nun, jetzt wissen Sie es.

Natürlich hat der Ausflug Spaß gemacht, auch uns Großen. Vor allem sind wir froh und dankbar, dass nichts passiert ist. Kein Kind ging verloren, keines ist ins Wasser gefallen, die Ersatzklamotten und Windeln wurden nicht gebraucht, ebenso wenig wie die Kühlpackung oder das Notfalltelefon. Was will man mehr? Witzig ist es, als eine Mutter fragt, an welchem Fluss wir denn gewesen wären, hier gäbe es doch keine Flüsse. Für Kinder ist es wohl logisch, dass es sich um einen Fluss handelt, sobald Wasser fließt.

Am Ende sind es doch mehr Details geworden und auch nur aus der Sicht der Schlusslichter. Aber so ist das im Kindergarten. Einer kann nie alles sehen und auch wenn man das was alle sehen zusammenfügt, geht vieles unbemerkt verloren. Trotzdem wird wohl jedes Kind seine ganz eigenen Eindrücke von dem Ausflug mitnehmen, vielleicht nur ein Gefühl, etwas ganz Kleines, vielleicht aber auch gar nichts Messbares. Und das ist dann einfach so.

Langwieser See - einmal hin und zurück

Wissen Sie wo der Rennebach und der Langwieser See sind? Wir waren dort – am letzten Draußen-Tag. Man fährt mit der S-Bahn zum Flughafen, schlängelt sich auf der „Ankunft“-Ebene durch die Reisenden zum Ausgang, lässt das Möwenpick-Hotel rechts liegen, um durch die tunnelähnliche Unterführung die riesengroße, weite und, in unserem Fall auch, menschenleere Messepiazza zu betreten. Diese überquert man nordwärts und biegt danach rechts in das Bosch-Parkhaus ein. Wie das Volk Israel durch das Rote Meer schreitet man zwischen den sich zu beiden Seiten mächtig auftürmenden Parkhaushälften hindurch, unter sich das Tosen der Autobahn. Am östlichen Ende erreicht man den Abgang nach Plieningen und findet sich nach all dem Beton plötzlich in einer, zu dieser Jahreszeit üppig blühenden, lieblichen Landschaft wieder. Man folgt dem sich zwischen Wiesen und Feldern sanft dahin schlängelnden Weg und ahnt schon, dass sich links hinter den vielen hohen Bäumen der See verbirgt. Und richtig, über eine schmale Holzbrücke quert man den Rennebach und steht vor dem Langwieser See. Hat man so wie wir etwas Glück, kann man den Reiher, die Enten, Wasserläufer und Libellen entdecken, Frösche und Vögel hören und sich am Grün sattsehen, bevor es in umgekehrter Reihenfolge wieder zurück geht.

Juni 2016

Bunte Zutaten

Man stelle ein paar Biertischgarnituren und drei Kreativstationen auf, dazu singende Kinder vor entspannte und gutgelaunte Familien, gefüllte Salatschüsseln und Servierplatten aufs Fensterbankbüfett und schon hat man die Zutaten für ein Kindergartensommerfest, unser Sommerfest. Farbe in den etwas trüben Samstagvormittag bringen die selbst aufgefädelten bunten Perlenarmbänder und –ketten, die gebastelten Wurfbälle mit den leuchtenden Krepppapierschweifen, die gigantischen, regenbogenfarbenschillernden Riesenseifenblasen eines motivierten und geschickten Vaters und die kräftig strahlenden, selbst gebatikten Stofftäschchen, die am Wäscheständer zum Trocknen hängen. Die Anschaffung Letzterer war Dank einer Geldspende eines  Kirchengemeindemitgliedes  möglich. Also, an dieser Stelle, liebe Spenderin, sollten Ihnen in Echterdingen Kinder mit Batikstofftäschchen begegnen, dann können Sie Sich von Herzen freuen, so wie die Kinder, als sie ihre fertigen Unikate in Empfang genommen haben: kleine, bunte, bleibende Erinnerungen an ein schönes, gemeinsames Fest.

Mal wieder ein Abschied...

Nach zwei Jahren verlässt uns unsere Sprachfachkraft, um ihre berufliche Zukunft in ihrem zweiten Kindergarten auf feste Füße zu stellen. Das gönnen wir ihr von Herzen und vor allem gönnen wir sie den Kindern und Kollegen dort, hoffentlich wissen sie sie zu schätzen! Der Abschied wird mit allem Brimborium (Wunderkerze, Lied, Abschiedsgeschenk und Kekse) gefeiert. Die Kekse darf sich jedes Kind persönlich abholen und bei der Gelegenheit noch ein paar Worte zum Abschied sagen – so ist es jedenfalls beabsichtigt. Wenn ein Kind aber Kekse vor Augen hat, dann ist der Mund schon mit Kauen beschäftigt und das Gehirn mit Auswählen. Als nach drei Runden Kekse dann alle zufrieden auf den Stühlen sitzen, Mund und Hirn befriedigt, macht es irgendwo „Klick“ und der Groschen fällt: Abschied! Wie auf ein heimliches Kommando hin stürzen sich alle Kinder im Pulk auf die Scheidende und es gibt ein kollektives, nicht enden wollendes Knuddeln. Alles hat eben seine Zeit, so steht es schon in der Bibel (Prediger 3, 1-8); Kekse essen und knuddeln auch.

Tag der offenen Tür

Heute ist mal wieder Bürozeit, denn einiges steht an. Nach einer Weile kommen zwei Jungs ins Büro mit ihren begonnenen Freundschaftsarmbändern. „Kannst du uns helfen?“ Na ja, eigentlich … „Dann zeigt mal her.“ Der Kollege kommt und entschuldigt sich für die Störung. „Sie meinten, da muss ihnen eine Frau helfen, ein Mann könnte das nicht.“ Aber der Kollege kann das wohl, hat es erst kürzlich gelernt. Und bald darauf wird zu viert eifrig im Büro geübt und geknotet. Später, kaum wieder allein, geht leise die Tür auf und ein Mädchen schleicht sich herein, nimmt einen Stuhl, zwei Notizzettel und setzt sich an den Schreibtisch. Mit Tesafilm und Stiften wird sie kreativ. Die Unterhaltung mit ihr ist witzig – ach, und selbstverständlich auch sprachförderlich! Etwas später steckt der Kollege wieder den Kopf herein: „Klar, hier bist du. Wo auch sonst?“ und holt sie zum Stuhlkreis ab. Der Berg Arbeit nimmt nicht so schnell ab wie geplant, aber manchmal gibt es eben Wichtigeres.

So ein Frühling!

Die Matschhosen hängen im Flur am Wäscheständer zum Trocknen. Ein Bild, das zu diesem Frühling passt. Das Ziel zu verwirklichen, täglich in den Garten gehen zu wollen, verlangt von den Erwachsenen immer wieder Überwindung. Aber wenn man merkt, wie nötig es die Kinder haben sich draußen auszutoben, dann siegt die Vernunft über die Bequemlichkeit. Von Kopf bis Fuß in Plastik verpackt trotzen sie dem Regen, während sich die pädagogischen Fachkräfte mal wieder Gedanken machen, ob sie sich nicht vielleicht doch mal endlich Regenjacke und -hose zulegen sollten. So weichen sie eben ganz allmählich durch, während die Kinder das tun, wozu sie im Garten sind: rennen, graben, matschen, Pfützen auslöffeln, schaukeln und Regentropfen mit der Zunge auffangen. Nun denn, das ausgesäte Gras grünt üppig, das Weidenhäuschen treibt an allen Ecken und Enden aus und als wir nach einer Stunde wieder reingehen, weil auch das Plastik irgendwann mal klein bei gibt, hört es freundlicherweise zu regnen auf. So ein Frühling!

Auszeit

Es läuft Teil zwei der Leitungsfortbildung. Das bedeutet: eine Woche weg vom Kindergarten, den Kollegen, den Kindern. Es fühlt sich fast an wie eine Mütterkur, denn Versorgung und Unterbringung im Bernhäuser Forst sind bestens. Nur gibt es statt Moorpackungen, Massagen und Gymnastik Projektmanagement, Recht, Organisations- und Teamentwicklung. Sehr wertvoll ist der Austausch mit den Kolleginnen. Man bekommt nicht nur Erfahrungen und hilfreiche Tipps gratis, sondern auch immer wieder Einblicke, was anderswo los ist. Da folgt dann schnell die demütige Erkenntnis, dass es uns im Lummerland doch im Grunde wirklich gut geht. Trotzdem, zur Sicherheit erfolgt die Nachfrage beim Kollegen, ob dem auch wirklich so ist. Zur Erleichterung vermeldet die Textnachricht „Alles okay“. Na, dann kann die „Mütterkur“ ja ruhig noch in die Verlängerung gehen, oder? Nein, eine Woche reicht, denn – und da sind sich alle Leitungskräfte einig – schließlich fehlen sie einem doch, die Kinder (und die Kollegen, Anm. der Schreiberin). Also, bis Montag dann in alter Frische. 

Jedes Stück ein Unikat

Dieses Jahr haben wir mal wieder Zeit bei einer sehr überschaubaren Zahl von Vorschülern individuelle Schultüten zu basteln. Die Emma-Kinder entscheiden sich für ein Motiv, wir stellen Schablonen her, es wird ausgeschnitten und zusammengeklebt. Die passende Farbauswahl erfordert manchmal Vergleiche und somit Zeit. Die kleinen Nebenmotive ergeben sich meist während des Bastelvorgangs. Mit Ausdauer und Hingabe sind die Kinder am Werk und stolz wie Bolle, wenn sie dann mit ihrer fertigen Schultüte im Arm zum Schnappschuss in die Kamera grinsen. Einmal Batman und Rapunzel sind schon fertig, samt Minifledermäusen bzw. Efeuranken und Juwelen. Hello Kitty und der goldenen Ninjago befinden sich in Arbeit und die Planung zweier weitere Tüten läuft demnächst an. Eins ist sicher, jede dieser Schultüten ist ein einmaliges Schmuckstück für den Tag, an dem der Ernst des Lebens beginnt; eine davon darf sogar in den USA glänzen.

 

Mai 2016

Regenwald

Mairegen an zwei von drei Tagen im Wald – aber es hätte noch schlimmer kommen können. Unsere Planung fiel fast komplett ins Wasser und wer keine Gummistiefel und Matschsachen hatte, war selber schuld. Nach 500 Metern Marsch unter dem heftig tropfenden Blätterdach war uns das Ziel Riesenschanze egal; nichts wie zurück zur Spielwiese. Feuer machen dank Trockenholzspende eines Großvaters und das spontane Grillen von Würstchen und Marshmallows war an den Regentagen der einzige Höhepunkt. Am dritten Tag dann ein versöhnlicher Abschluss: wir konnten trockenen Fußes zum Spielplatz am Waldheim gehen. Und wer hätte es gedacht? Als dann die Toilette an der Spielwiese geputzt und alles wieder eingepackt und vorbei war, da kam die Sonne und streckte uns die Zunge heraus. Nun ja, die Vögel haben auch im Regen gezwitschert und die meisten Kinder waren erstaunlich robust und wasserresistent. Hut ab vor allen Waldkindergärten, besonders wenn Regenwald ist.

Neulich im Kindi

Kollegin zu einem Kind: „Hör auf, J. zu ärgern!“ Kind: „Okay“, macht es aber wieder. Kollegin: „Was hab ich zu dir gesagt?“ Kind: „Aber ich hab ihn nur ein ganz klein wenig geärgert.“ – Auf der Toilette. Kollege: „Denk ans Händewaschen, wenn zu fertig bist.“ Kind: „Ja, das weiß ich doch. Wozu hab ich hier drin denn eine Gebrauchsanleitung?“ (Innen an den Türen hängen Bildchen für „Klopapier verwenden“, „spülen“ und „ Hände waschen“.) – Kollege liest den Aufdruck auf dem T-Shirt eines Kindes ‚The world is a playground‘ und sagt: „Ah, die Welt ist also ein Spielplatz!“ Ein Mädchen erklärt ihm: „Nein, die Welt ist kein Spielplatz, aber auf der Welt gibt es viele Spielplätze.“ – Beim Mittagessen fragt der Kollege: „Wer will noch Nudeln?“  Der andere Kollege ergänzt: „Käsenudeln.“ Das amerikanische Mädchen entrüstet sich: „Des hoißt doch Kässchbätzla!“ – Kind zur Kollegin: „Wieviel mal noch schlafen, bis du tot bist?“ – Mädchen im Garten: „Ich möchte sterben.“ Der Kollege fragt betroffen: „Weshalb denn?“ Das Mädchen: „Weil ich zu Gott will und Gott ist im Himmel und wenn ich sterbe, komme ich in den Himmel.“ – Vor etwas längerer Zeit: Wir spielen Schuhsalat. Ein Junge nimmt die Schuhe der Kollegin vom Kinderschuhberg und der Kollege fragt ironisch: „Na, wem mögen denn wohl diese Schuhe gehören?“ Der Dreieinhalbjährige stellt sie vor der Besitzerin ab und sagt völlig cool: „Diese. Schuhe. Gehören. Zu. Dieser. Frau.“

Akustische Differenzierung

"Radio Piep“ ist ein bei unseren Kindern zur Zeit sehr beliebtes Spiel. Im Stuhlkreis wird ein Kind unter einer Decke versteckt, während ein anderes vor der Tür wartet. Kommt es wieder herein, singt das Kind unter der Decke ein Lied und das andere muss erraten, wer unter der Decke ist. Heute leitet eines unserer Emma-Kinder dieses Spiel und bestimmt nach ein paar Runden, dass sich der Kollege unter der Decke verstecken soll. Dann will sie das ratende Kind in die Irre führen und behauptet, es wären zwei Kinder unter der Decke (der Kollege ist einfach zu groß). Der Versteckte gibt sich große Mühe, nicht erkannt zu werden und verstellt seine Stimme. Die Ratende hört sich sein Singen eine ganze Weile an, sie überlegt, hört zu, schaut in die Runde. Aber sie lässt sich nicht veräppeln und errät, wer das Radio ist. Nun ist der Kollege an der Reihe und geht vor die Tür. Unsere Spielleitung bestimmt – es soll ja nicht zu einfach sein – drei Kinder und packt sie unter die Decke. Zwei der drei „Radios“ erkennt der Kollege auf Anhieb, bei dem dritten hat er aber erhebliche Probleme. Welche Namen er auch sagt, es stimmt keiner. X-mal drückt er mit dem Finger auf das Kind unter der Decke und sagt: „Radio Piep“. Geduldig singt das Mädchen ebenso oft „Alle meine Entchen“. Wir Erwachsenen merken einmal mehr, welchen Sinn dieses eigentlich banale Spiel hat. Man muss genau zuhören und ziemlich im Gehirn kramen. Irgendwo dort findet der Kollege dann auch die richtige Antwort und am Ende dürfen die Kinder mit hochroten Köpfen unter der Decke hervorkommen.

Situationsorientiert

Der Freund in der Grundschulförderklasse wird immer noch sehr vermisst und so besuchen wir ihn am Draußen-Tag. Als hätten sie es geahnt, spielen er uns seine Klasse bei unserer Ankunft auf dem Pausenhof.  Nach "Hallo!" und "Wie geht's?" wird gemeinsam getobt, geklettert, gerutscht und geturnt. Das Klettergerüst ist eine Wucht – bis die Pausenglocke läutet. Die Goldwiesenschüler stürmen aus dem Gebäude und überrollen alles lautstark und gewaltig wie eine Tsunamiwelle.  Freiwillig und in kürzester Zeit sitzen unsere Kinder leicht eingeschüchtert am Rand und verfolgen mit offenen Mündern das Naturschauspiel. So schnell er gekommen ist, mit dem zweiten Gongschlag ist der Spuk wieder vorbei. Bald darauf machen auch wir uns auf den Heimweg. Der führt vorbei an zwei Eisdielen. Leider können wir auf das dringende Bedürfnis der Kinder nach Eiscreme nicht eingehen. Lautstarker Protest: "Ihr seid gemein! Dann kommen wir halt mit unserem eigenen Geld wieder!"

Der April macht was er will

und stellt uns bilderbuchmäßig auf die Probe bezüglich Spontaneität und Anpassungsfähigkeit. Dabei geht es nicht nur ums Wetter. Herumziehende Virenstämme und Bakterienvölker reißen abwechselnd Lücken in die Kinderschar und das Team. Täglich muss nicht nur neu entschieden werden „Matschhose oder nicht?“, sondern auch pädagogisch abgewogen, ob wir das was wir geplant und vorbereitet haben durchführen können und in welcher Form. Im Garten draußen kümmern sich in trockenen Phasen spontan Eltern von Dschungel und Lummerland um eine Frühjahrskur für den gemeinsamen Garten. Die Rasensaat freut sich über regelmäßige Regenschauer und die künstliche Bewässerung hält sich in Grenzen. Mit dem frischen Grün und den langsam ansteigenden Temperaturen verziehen sich hoffentlich bald die letzten Krankheitskeime. Ab sofort heißt es sowieso: Alles neu macht der Mai.

April 2016

Das verlorene Paradies

Adam und Eva waren die ersten Veganer. Interessant, was man bei der Vorbereitung einer biblischen Geschichte entdeckt. Aber nicht deshalb ist der Inhalt der Erzählung vom Sündenfall ganz nah an der Lebenswirklichkeit unserer jungen Zielgruppe. Jedes Kind kann oder wird die Situation und die Gefühle der beiden Hauptpersonen, Adam und Eva, nachempfinden können: Es gibt ein Verbot unter Strafandrohung; irgendwann wird es übertreten, weil man zu zweit oder zu dritt mutiger ist; dann meldet sich das schlechte Gewissen und man möchte vertuschen; schließlich fliegt das Vergehen auf und man versucht, die Schuld auf den Anderen abzuwälzen („Der hat gesagt, ich soll das machen.“  Wie oft hören wir diesen Satz im Kindergarten.); am Ende folgt die angekündigte Strafe, in diesem Fall bedeutet es raus aus dem Paradies und hinein ins raue Leben voll Sorgen, Mühsal, Tod. Nach der Erzählung fasst ein Kind spontan seine Eindrücke zusammen: „Bei uns hier ist es aber viel schöner!“ und findet den Beifall mehrerer Altersgenossen. So ein Leben im Paradies muss schon langweilig gewesen sein, sind sie sich einig. Ob das Adam und Eva wohl auch so gesehen haben mögen?

Regeln und Quatsch - Protokoll einer Emma-Stunde

Wenn jemand über dieses Thema Bescheid weiß, dann unsere Vorschüler. Also, neulich in der Emma-Stunde:  „Was sind Regeln?“ – „Dass man sich dran halten muss.“ – „Dass man nicht machen kann, was man will.“ – „Was ist Quatsch machen?“ – „Ins Waschbecken pinkeln.“ (Gelächter) –  „Aufs Klo klettern und den Nachbarn ärgern.“ – „Blöde Sachen sagen und rumschreien.“ (lautstarke Kostprobe) – „Im Stuhlkreis herumtanzen.“ – „Quatschmonster!“ (allgemeines Grinsen) – „Und mit wem macht ihr am liebsten Quatsch?“ – „Mit allen meinen Freunden.“ (da herrscht Einigkeit) – „Machen eure Eltern auch Quatsch mit euch?“ – „Ja, Papa!“ (auch hier allgemeine Übereinstimmung) – „Und Mama?“ – „Die ist viel strenger, aber die lacht sich kann kaputt, wenn Papa und ich Quatsch machen.“ (aha, Rollenverteilung) – Und dann phantasieren die Kinder über einen Quatschspielplatz in lustigen Farben, mit Trampolinen, Schleudersitzen, Federbrettern, Falltüren, Rutschen, Boxhandschuhen, Quatschfiguren, Achterbahn … „Können wir den gleich anfangen zu bauen?“ Leider nein, aber wir schauen eine weitere Folge der „Jim Knopf“-DVD an, das ist auch nicht schlecht.

Regeln - Ein bisschen Quatsch muss sein

Für das Bespielen der neuen Betonröhre im Garten wollen wir mit den Kindern im Stuhlkreis zwei Regeln besprechen:

1. Nicht von oben herunterspringen und

2. Keine Spielsachen mit hoch nehmen.

„Wer von euch weiß denn, was Regeln sind?“ Ein Kind: „Zum Beispiel, dass man keinen Quatsch machen soll.“ - „Welche Regeln für den Stuhlkreis haben wir denn besprochen?“ Ein anderes Kind: „Wir sollen keinen Quatsch machen.“ - „Aber was ist mit den Toilettenregeln?“ Ein drittes Kind: „Wir sollen auf dem Klo keinen Quatsch machen.“ Auf dieses verkürzt wiedergegebene Gespräch hin benennt die etwas verstörte Fragerin kurzerhand die beiden „Röhrenregeln“, bevor noch mehr Quatsch herauskommt. „Keinen Quatsch machen“ ist für die Kinder wohl die Zusammenfassung und Quintessenz all unserer Regeln, dabei kann Quatsch machen doch auch harmlos und spaßig sein. Der Duden sieht dies ebenso und spricht u.a. von: „harmloser Unfug, Alberei; Jux“. Da herrscht noch Klärungsbedarf, denn ab und zu ein bisschen Quatsch von der richtigen Sorte kann Pfeffer in der Suppe des Alltags sein.

Was, wenn ich mal muss?

Diese Frage taucht regelmäßig auf, wenn bei uns ein Draußen-Tag, ein Ausflug, ein Spaziergang oder ein Besuch im Kindertheater ansteht. So muss jedes Mal die Verfügbarkeit eines stillen Örtchens im Voraus bedacht und möglichst geklärt werden. Klar, wir schicken vor dem Weggehen noch einmal alle aufs Klo, aber das muss nichts heißen, denn auch unterwegs kann man ja mal müssen müssen. Im Wald geht es ganz gut, auf dem Spielplatz meist auch noch, aber was ist mit dem freien Feld, dem Gang durch den Ort oder eine fremde Stadt? Mit fünf Jahren weiß man genau, wann Publikum erwünscht ist und wann Privatsphäre Not tut. Als pädagogische Fachkraft hat man deshalb einen eingebauten Toilettensensor, der die Umgebung permanent nach potentiellen Pinkelgelegenheiten abscannt. Wohl dem Kind, das sein Bedürfnis rechtzeitig ankündigt. Und wenn man dann mal mit einem aufs Klo geht, hat das – wen wundert es – ansteckende Wirkung auf die Gruppe. Für die Fälle, bei denen sich die Kinder erst nach Erledigung des Geschäfts zu Wort melden, tüfteln wir an einem Frühwarnsystem. Bis dahin hoffen wir, ausreichend Wechselkleidung in den richtigen Größen im Rucksack zu haben.

März 2016

Nichts wie raus!

Freitag, Draußen-Tag, es geht nach Hause zum Kollegen nach Bonlanden. Auf dem Weg zur Bushaltestelle sehen wir eine andere Kindergartengruppe marschieren und, kaum im Bus, steht an der ersten Haltestelle ein weiteres Trüpplein in Matschhosen, das auf eine andere Linie warten. Bei herrlichem Frühlingswetter zieht es wohl alle nach draußen. Unsere Kinder jedenfalls genießen erst die Fahrt und danach die Kekse beim Kollegen daheim, wo zum Glück auch aufs Klo gegangen werden kann. Am Fildorado vorbei – schade, dass wir keine Badehosen eingepackt haben – geht es zum Spielplatz hinterm Stadion. Dort gibt es mal andere Spielgeräte, als die, die wir sonst immer benutzen: Die Rutsche ist steiler, der Kletterturm höher, es gibt mehr Wippen … Und dann tritt der Fall ein, für den man immer die Ersatzhose in den Rucksack packt; da hat wohl jemand vor lauter Keksessen vergessen, aufs Klo zu gehen. Das Malheur ist aber schnell behoben. Beim Rückweg erreichen wir gleichzeitig mit dem Bus die Haltestelle – Glück gehabt! Jeder findet einen Sitzplatz und erfreut sich noch einmal an der Fahrt. Wenn es nach den Kindern ginge, könnte sie ruhig noch länger dauern.

Gänsemarsch

Bastelarbeiten mit Schablonen haftet der Ruch an, kreativitätstötende Einheitswerke hervorzubringen. Davon lassen wir uns nicht abschrecken und stellen den Kindern vorgezeichnete Bauteile für Gänseküken zur Verfügung: Körper, zwei Füße, Schnabel und Wackelaugen in allen Größen. Beim ersten Exemplar assistieren wir den jüngeren Kindern noch, danach wissen sie wie es geht; die Großen puzzeln sich ihren Gänsenachwuchs selbst zusammen. Am Ende prangt eine Parade sehr origineller Küken am Fenster. Es gibt nämlich fast unzählige Möglichkeiten, die Teile auszuschneiden und danach zusammenzukleben.  Am Ende ist jedes Gänslein so individuell, bunt und einzigartig wie das Kind, das es gefertigt hat.

Ein Jahr ist schnell vorüber

und Zauberer Calanis mal wieder auf Stippvisite bei uns. Einige Kinder sind zum ersten Mal dabei und haben trotzdem keine Scheu, sich als Assistenten zur Verfügung zu stellen. Mit großen Augen verfolgen sie, wie schwarzweiße Single-Schallplatten plötzlich Farbe annehmen, nachdem ein Kind ein Tuch der entsprechenden Farbe durch das Loch in der Mitte steckt. Ein anderes füllt Watte in einen Pokal, die nach einer beeindruckenden Stichflamme (hier fügt Calanis einen kleinen Exkurs über die Gefahren von Feuer ein) zu einer Kette bunter Tücher wird. Auch nach jahrelangem Zuschauen gelingt es den Erwachsenen immer noch nicht, hinter alle Tricks zu kommen. Es bleibt also weiterhin spannend. Am Ende füllt sich wie gewohnt ein Gefäß auf geheimnisvolle Weise mit Bonbons und jeder bekommt eins geschenkt. Das Einwickelpapier bleibt (wie all die Jahre zuvor) nach kräftigem Reiben auf wundersamer Weise an der Handfläche haften und „schwebt“ scheinbar nach oben. Bisher musste die Schreiberin getröstet werden, da es bei ihr nie funktionieren wollte. In diesem Jahr jedoch kann sie vor lauter kindlicher Freude nicht an sich halten, allen zu verkünden: „Seht her! Es klappt!“ –  „Ich kann zaubern!“ verkneift sie sich nach sieben Jahren Physikunterricht aber gerade noch.

Lernen

Die beiden Schaukeln im Garten sind besetzt und mindestens sechs Kinder stehen in Warteposition. Da dauert es, bis man an die Reihe kommt. Und sitzt man dann endlich drauf, vergeht die Zeit, bis man wieder runter muss, viel zu schnell. - Mit viel Hingabe ist die Schienenbahn aufgebaut worden, da stolpert jemand darüber und zerstört einen Teil davon. Mehr als ärgerlich! Man würde am liebsten explodieren. - Am Maltisch kritzelt einem der Nachbar auf die in der Fertigstellung befindliche Malerei. Da könnte man doch gleich aus der Haut fahren! - In der Puppenecke scheint einer der Mitspieler heute auf Krawall gebürstet. Nichts als Ärger, aber keiner hat angefangen. - Als Kindergartenkind hat man es nicht leicht. Man muss sich an Regeln halten. Man muss warten können. Man soll teilen und abgeben können. Man soll lernen, Konflikte selbständig zu lösen. Und außerdem soll man seine Gefühle anderen mitteilen können (Ich-Botschaften). Können eigentlich die Erwachsenen das alles?

Hoch soll er leben!

Nicht jeder unserer Jubilare begeht seinen Ehrentag so sichtlich genuss- und freudvoll wie es uns der frischgebackene Vierjährige diese Woche vorgemacht hat. Von Anfang bis Ende des Kindergartentages kann man seinem Gesicht die Freude an diesem einmaligen Ereignis ablesen. Es ist keine Frage, welche zwei Freunde er einlädt neben ihm zu sitzen. Selbstbewusst zieht er mit seinen beiden Gästen zu „Zum Geburtstag viel Glück“ in den Stuhlkreis ein und erklimmt seinen Geburtstagsstuhl mit der voll Stolz getragenen Krone auf dem Haupt. Es ist eine Freude zu sehen wie vergnügt er ist: beim Schlagen des Gongs nach jeder angezündeten Geburtstagskerze, beim Auswählen seines Geschenks aus der „Schatzkiste“, beim Entgegennehmen des Geburtstagsständchens, beim Lärm und Getrampel der Geburtstagsrakete und dem Halten der abbrennenden Wunderkerze, beim Auspusten der vier Kerzen, sogar beim Hochleben als es bis knapp unter die Zimmerdecke geht. Auch das Verteilen der von seiner Mutter gebackenen Kekse an die Gäste zelebriert er. „Seht her, dies ist mein Tag!“ – Hoch soll er leben!

Februar 2016

"Die perfekten Kindergarteneltern gibt es nicht",

sagt die Referentin kürzlich bei einer Fortbildung überzeugt. Unser Kollege widerspricht; in unserer Einrichtung gab es schon einmal perfekte Kindergarteneltern: Sie hatten vollstes Vertrauen in uns und ließen es uns auch spüren. Zudem waren sie verständnisvoll, interessiert, hatten stets ein freundliches, aufmunterndes Wort, wurden es nie müde, Freude an und Dank für Kindergartenaktionen zum Ausdruck zu bringen und waren immer mit dabei, wenn es etwas zu tun gab. Die  Garderobengespräche – herzlich, offen und humorvoll – waren kleine Freudeninseln und Alltagsperlen für uns pädagogische Kräfte. Im Kindergarten sahen diese Eltern das eigene Kind als Teil einer Gemeinschaft, wo es sich wohlfühlte und mit seinen Freunden spielte. „Alles andere ist Aufgabe der Familie“, waren sie überzeugt. „Eine Ausnahme“, gibt die Referentin unwillig zu. Mag sein, aber es gibt doch immer wieder Eltern, die diesem Vorbild in einigen Punkten nahe kommen.

"Wer hat den Keks aus der Dose geklaut?"

ist ein rhythmisches, höchst sprachförderliches Spiel. Es wurde 2014 vom Kollegen mit in die Einrichtung gebracht und erfreut sich seither größter Beliebtheit bei Groß und Klein. (Wahrscheinlich ist das Spiel ein alter Hut, aber das Rad gibt es auch schon lange und doch meint jeder Führerscheinneuling, es wäre eigens für ihn erfunden worden.) Wie es geht? Einer stellt die obige Frage in den Raum, der Geistesgegenwärtigste sucht sich ein Opfer aus und behauptet im Brustton der Überzeugung: „Egon* hat den Keks aus der Dose geklaut.“ Der fällt aus allen Wolken: „Wer ich?“ – „Ja, du!“ – „Niemals!“, wehrt sich der Beschuldigte. „Wer dann?“, kommt die Rückfrage. Kurzes Zögern, ein Blick in die Runde und ein vermeintlicher Täter ist gefunden. „Ida* hat den Keks aus der Dose geklaut!“ Und mit Ida geht es wieder von vorne los. Natürlich war es keiner, aber alle haben ihren Spaß und niemand wird verschont. Man kann dabei auch manch schauspielerisches Talent entdecken. Probieren Sie es doch mal bei der nächsten Familienfeier oder mit Ihren Kollegen aus, Sie werden den Rhythmus schnell finden. (*Alle Namen wurden geändert; Anm. der Verfasserin.)

Weinselig

Nach einem arbeitsreichen Vormittag im Kindergarten sitzen wir zu dritt mit zig weiteren Kollegen in Stuttgart in der Einführungsveranstaltung einer Fortbildung. „Sie werden das meiste schon kennen und täglich anwenden“, schickt die Referentin voraus, „aber hier erhalten Sie die neuesten Forschungsergebnisse, die Ihnen zeigen, warum Sie Ihre Arbeit richtig machen und sie funktioniert. Es ist wie mit altem Wein in neuen Schläuchen.“ Erkenntnisse aus der Hirnforschung stecken dahinter. Der Nachmittag wird dann wirklich kurzweilig und spannend. Klar kennen und praktizieren wir vieles davon, aber es wird uns neu bewusst, wie kostbar und wertvoll dieser „alte Wein“ ist. Darauf, dass z. B. beim Singen und Spielen von „Mein Hut, der hat drei Ecken“ oder „Dri Chinisin mit dim Kintribiss“ das Hirn gefordert wird, kann man ja eigentlich selber kommen, oder? Die neuen Schläuche jedenfalls machen sich gut. Wir wollen jetzt erst einmal mit den Kindern die alten Lieder mit neuer Überzeugung singen und freuen uns schon auf die nächste Weinprobe.

Abschied

Eines unserer Emma-Kinder darf ab Februar in die Grundschulförderklasse gehen, praktisch schon mal „in die Schule“. Er ist mächtig stolz und voller Vorfreude. Nicht so seine Freundin: „Ich bin traurig, dass er dann nicht mehr hier ist“, sagt sie gefühlte hundert Mal. Bei ihm hingegen überwiegen die positiven Gefühle, außerdem hätte seine Mutter gesagt, dass der Kindergarten zu klein für ihn geworden sei. Das klingt zwar fast so, als wären wir geschrumpft, andererseits trifft es doch irgendwie zu: Der Kindergarten ist als Pflanzgefäß für seine Wurzeln zu eng geworden und es geht für ihn in einem größeren Topf und mit anderem Dünger weiter. Das macht uns Erwachsenen den Abschied in diesem Fall einfacher. Den Kindern aber versüßen wir ihn mit einem Gang zur Goldwiesenschule, wo die Grundschulförderklasse beheimatet ist. Dort machen wir ein Erinnerungsfoto und toben uns auf dem Klettergerüst im Schulhof aus. Zurück im Kindergarten wird dann zünftig gefeiert: mit Gesang, Spielen, Überreichen der Kindergartenmappe, natürlich einem Stück Kuchen für jeden und viel Gelächter.

Januar 2016

Rausgehen oder drinbleiben?

Es ist mal wieder Freitag (Draußen-Tag), eiskalt und drei von vier Kollegen sind etwas angeschlagen. Rausgehen oder drinbleiben? Zwei wollen an die frische Luft, zwei bei der Heizung bleiben, passt doch! „Kinder, wer will mit rausgehen?“ Die Begeisterung hält sich trotz Sonnenscheins sehr in Grenzen. „Keine Lust, spazieren zu gehen …“, heißt es. Plötzlich schlagartiger Stimmungswechsel: Jemand hat das Stichwort „Spielplatz“ fallen lassen. Sofort hat die Mehrheit der Kinder schon die Matschhosen an und ein sehr überschaubares Häufchen, das nicht einmal die Aussicht auf einen Spielplatzbesuch vor die Tür locken kann, bleibt völlig unbeeindruckt zurück. So geht es diesmal zu zweit und mit 19 Kindern quer durch Ortsmitte und Straßenverkehr. Nach dieser nervlichen Herausforderung stellen wir dankbar fest, dass wir den „Wasserspielplatz“ (Adolf-Murthum-Straße) für uns allein haben. Herrlich! Klettern bis zur Spitze, den schneeglatten Hügel wie ein Stuntman hinunterrollen, von Anfang bis Ende in der Nestschaukel liegen – jeder macht nach Herzenslust was er will. Nicht ganz jeder; wir Großen müssen den Überblick über Kinder, Handschuhe und Mützen behalten und anschubsen, anschubsen und nochmals anschubsen. Die Schreiberin hat am Ende so kalte Füße, dass – zurück im Kindi – die Heizung eine Wohltat ist. Und die Kinder spielen auf einmal voll neu entdeckter Hingabe. Das liegt wohl an der frischen Luft.

Kindergartenplatz gesucht?

Suchen Sie für Ihr Kind eine kleine, familiäre und überschaubare Einrichtung? Wir haben zwei feste Gruppen mit jeweils 19 Kindern und unternehmen vieles gemeinsam. Sind Sie der Meinung, dass Ihrem Kind ein geregelter Tages- und Wochenablauf entgegenkommt, dass das gemeinsame Frühstück ein Gewinn ist und biblische Geschichten zur Horizonterweiterung beitragen, dann rufen Sie uns einfach an und wir vereinbaren gern Ihren persönlichen Besuchstermin. Weitere Informationen finden Sie auf den Internetseiten der Stadt Leinfelden-Echterdingen (http://goo.gl/ERqC2z) und der Ev. Kirchengemeinde Echterdingen  (www.ekg-echterdingen.de).

Neujahrswunsch

Master of Science Toilettenpädagogik (w/m) dringend ab sofort gesucht.

Wir erwarten selbständiges Arbeiten nach Maria Montessori „Hilf mir, es selbst zu tun“, Geduld ohne Ende und ein sicheres, bestimmtes Auftreten.

Aufgabengebiet: Hinführung der Kinder zum sorgsamen und sachgerechten Umgang mit Papierhandtüchern und Seifenspendern, Betreuung der fünf Kindertoiletten, der Dusche, der sechs Waschbecken samt Spiegel und deren Schutz vor Zweckentfremdung, die Pflege des Wickeltischs, sowie das Windelmanagement. Unterstützung bei  der Umsetzung der Toilettenregeln ist Voraussetzung. Regelmäßig fallen auch das Trocknen des Fliesenbodens und das komplette Umkleiden von Kindern an.

Wir bieten: Eine abwechslungsreiche Tätigkeit in einer zweckmäßigen Sanitäranlage, ca. 38 Kinderpopos, z. Zt.  sechs Windelkinder, hochwertige Desinfektionsmittel, Handschuhe mit/ohne Puder (latexfrei oder aus Latex) in verschiedenen Größen und ein dankbares, humorvolles Team.

Die Bezahlung erfolgt über Fundraising, Verhandlungen dazu laufen bei entsprechend qualifizierten Bewerbern umgehend an.

Dezember 2015

Irgendwie besonders

Beim Lesen dieser Zeilen ist unsere Weihnachtsfeier samt Krippenspiel vorbei und somit Geschichte, beim Schreiben allerdings noch Zukunft. Sicherlich wird alles irgendwie gut gehen und trotz aller Widrigkeiten (bei den spärlichen Proben mussten wir zeitweise krankheitsbedingt auf Maria und Wirt Nr. 2 verzichten) auch richtig schön werden. Das gemeinsame Singen und Einstudieren von Liedern und Texten in großer Runde ist aber auf jeden Fall immer ein ganz besonderes, Freude schenkendes Erlebnis: Irgendwie sind alle, Große wie Kleine, mit einer besonderen und etwas aufgeregten Spannung bei der Sache. Ganz gleich, wie und ob unsere Familien und Leser Weihnachten feiern, möge jeder die Zeit so erleben, dass sie im Rückblick irgendwie richtig schön war: eine frohe und besondere Zeit am Ende des Jahres.

 

Plätzchen backen am Flughafen...

… klingt nach Spaß und Abenteuer. Der Spaß den 13 Emma- und Molly-Kindern, das Abenteuer und der Nervenkitzel den beiden Betreuerinnen. Auf dem Hinweg zu Fuß über die Felder laden gefrorene Pfützen zum „Eisbrechen“ ein. Die danach notwendige Grundreinigung der Kinder erfolgt auf der Flughafentoilette. Auf Ebene 5 in Terminal 1 werden dann die Plätzchen in Schichten hergestellt, gebacken und verziert. Am Ende ist die Hälfte der Kinder schon fertig, während die anderen noch am Dekorieren sitzen. Da fahren die ersten schon mal mit Kollegin und S-Bahn heim und der Rest folge mit der Schreiberin im nächsten Zug. Sechs Kinder mit Plätzchentüten in der Hand über Stufen und steile Rolltreppen hinab zum S-Bahnsteig hetzen ist kein Zuckerschlecken. Kaum drin, fährt der Zug ab – Glück gehabt, tief durchatmen. Eltern und Kollegen warten schon, letztere ziemlich erschöpft. Ein Vormittag zu zweit mit 13 kleinen Knopf-Kindern ist nicht minder abenteuerlich und anstrengend. Oh, du fröhliche!

 

Typische Adventswoche

Turnen für die Kleinen * Singkreis für die Großen * Üben des Krippenspiels * Schulbesuch der Emma-Kinder * Adventsbasteln mit Keksen und Süßwaren: Zusammenkleben von Kerzen, Lokomotiven und Häuschen; Zuckergussorgie beim Dekorieren * Geschichte vom Bischof Nikolaus * Gestalten von Transparentkerzen fürs Fenster * Sternefalten für Jahreskalender der Emma-Kinder und mit Streichhölzern Kerzenanzünden üben * Hausbesuch am Draußen-Tag  * diesmal schon entspannteres Adventsflüstern *  täglich besinnliches Frühstück bei Kerzenschein und Adventsgeschichte * Spannung am Adventskalender: Wer bekommt heute das Geschenk? * Stress beim Anziehen: Matschhose, Stiefel, Schal, Mütze, Fingerhandschuhe …  * Alle Jahre wieder!

Adventsflüstern

Der positive Erfahrungsbericht aus einer anderen Kita klingt vielversprechend: Besinnlichkeit, Ruhe und vorweihnachtliche Atmosphäre allein durch Flüstern. Das machen wir auch! Die Eltern werden informiert, die Kinder darauf vorbereitet und am Freitag ist es soweit. Gefühlte 100 Lichtlein sorgen schon im Eingangsbereich für Stimmung. Anfangs läuft alles wie erwartet. Als jedoch der erste Knopf-Zwerg beim Anblick des Lichtermeers voll echter Begeisterung „Wow, schön!“ ruft, müssen wir feststellen, dass sich manche Gefühle nicht flüsternd ausdrücken lassen, wie z. B. Ärger, Frust, Unmut, Schmerz oder eben auch Freude. Das Kollegium ist in der Folge damit beschäftigt, hier und da ein „Pst!“ von sich zu geben oder ermahnend die Namen der Ruhestörer laut zu flüstern. Als dann das Ende des Frühstücks die Jetzt-dürfen-wir-wieder-normal-sprechen-Zeit einläutet, herrscht allgemeines Aufatmen. Ist schon anstrengend, so ein Geflüster. Nun, bis Weihnachten stehen uns noch drei weitere Flüsterversuche bevor und bekanntlich macht ja auch erst die Übung den Meister.

Weberitis

Weben ist bei uns ein Privileg für die Emma-Kinder (Vorschüler).  Manches Jahr bleiben wir auf halbfertigen Webrahmen sitzen, gelegentlich schafft es die Mehrheit, ihre Webstücke zu vollenden. Letztes Jahr gab es für jeden fertiggestellten Webrahmen eine kleine Überraschung (Motivation!), da lief es gut. Dieses Jahr scheint eine Seuche ausgebrochen zu sein - die Weberitis. Der zweite, dritte, ja sogar der vierte Webrahmen ist schon in Arbeit, wir kommen kaum mit der Weiterverarbeitung hinterher: Brustbeutel mit Überschlag, Umhängetasche mit Fransen, Kissen, Teppich, ja sogar eine Hängematte!  Schildkröte, Handyhülle und Schal stehen u. a. noch auf der Wunschliste. Auch unsere Molly-Kinder (die mittleren) sind bereits infiziert, so dass es jetzt einen Webrahmen für sie alle zum Üben gibt. Und unsere Knopf-Kinder (die kleinen)? Wehe, ein Webrahmen liegt unbeobachtet herum, sofort findet sich ein Zwerg, der – als gäbe es nichts Schöneres – das Webschiffchen irgendwie durch die Kettfäden schiebt.

November 2015

Nebensache?

Angesichts dessen, was in der weiteren und näheren Welt vor sich geht, wird nicht nur ein Länderspiel zur Nebensache, sondern auch unser Laternenfest. Oder? Im ersten Moment erscheint es wohl so. Welche Bedeutung kann ein Laternenfest im Kindergarten haben? Welche Bedeutung hat es, wenn sich Kinder, Elternbeiräte und pädagogisches Personal alle Mühe geben, einen rundum schönen Rahmen zu gestalten, in dem sich die Familien begegnen, kennenlernen und austauschen können, gemeinsam singend durch die Straßen ziehen und mit Laternen die Nacht erhellen? Hier wird im kleinen Rahmen Offenheit, Toleranz, gemeinsam Verbindendes erlebt und praktiziert. Hier geschieht Herzensbildung. Bei der ganzen frühkindlichen Bildungsdiskussion sollte nicht aus den Augen verloren werden, dass Abitur oder Studium nicht automatisch gegen Vorurteile, Intoleranz oder Fanatismus immun machen. Deshalb trägt jeder, der am Erziehungs- und Bildungsprozess unserer Kinder beteiligt ist, eine große Verantwortung und ist tagtäglich Vorbild vor allem für diese Herzensbildung – eben auch bei einem fast nebensächlichen Laternenfest.

Schon wieder ist eine Woche vorbei!

Nicht nur St. Martins Pferd, auch die Zeit galoppiert unaufhaltsam. Schon hatten die Schüler Herbstferien und wir Praktikanten im Kindergarten, wie wohl so ziemlich alle Kindertageseinrichtungen im Ort, in unserem Fall zwei männliche. Wie viel Freude unsere Kinder doch immer wieder mit den Extra-Spielkameraden haben. An einem Tag beispielsweise durften die Jungs die UNO-Karten fast nicht aus der Hand legen. Aber auch sonst waren sie eine Unterstützung bei den alltäglichen Dingen und so werden sie uns schon ein wenig fehlen … Außerdem haben wir nun doch noch Apfelkuchen gebacken, samt Äpfelschnippeln und Eieraufschlagen. Damit ist aber das Kapitel „Apfel“  jetzt endgültig abgeschlossen. Das Laternenfest am Dienstag, den 10. November, ist unser nächster Höhepunkt. Die alten und neuen Laternenlieder sitzen („Kommt, wir woll'n Laterne laufen ...“ ist und bleibt der Ohrwurm dieser Tage), die Laternen sind mit Hilfe der Eltern gebastelt, die Strecke haben wir am Draußen-Tag abgelaufen, das Wetter scheint zu halten – was wollen wir mehr? Ach ja, dass alle, trotz Rotznasen und Husten, gesund bleiben und mitlaufen können.

Endspurt unserer Apfelwochen

St. Martins Ross scharrt schon ungeduldig mit den Hufen, es soll sich aber ein wenig gedulden, denn wir haben noch keinen Apfelkuchen gebacken! Erst haben wir Äpfel gepflückt, aufgesammelt, innen und außen betrachtet, befühlt, verschiedene Sorten verkostet, Äpfel klein geschnitten, weich gekocht, durch die Flotte Lotte gedreht und das Mus gegessen. Wir haben über Tage hinweg beobachtet, wie der Apfel ohne Schale immer kleiner wird und der mit Schale seine Größe behält, wie ein angefaulter Apfel völlig verfault, schimmelige Punkte bekommt und wie auf dem Apfelmus mit  der Zeit grau-weiß-grüne Haare wachsen. Zuletzt haben wir Apfelstückchen in den Entsafter gesteckt und den Saft direkt ins Glas fließen sehen: schaumig und naturtrüb. Durch ein Geschirrtuch gegossen (Grundlage für das Verständnis von Filtern), haben wir die Trübung reduziert. Der Geschmack des Eigenprodukts war absolut überzeugend! Tja, jetzt fehlt, wie gesagt, nur noch ein leckerer Apfelkuchen. Oder ein Bratapfel? Oder getrocknete Apfelringe? Oder doch lieber …? Scharr, scharr – wieher!

Oktober 2015

Herbstspaziergang...

Freitag, Draußen-Tag, es ist herrliches Herbstwetter. Im Kindergarten dreht sich gerade alles, passend zur Jahreszeit, um den Apfel und so wandern wir zu den Streuobstwiesen. Die Kinder sammeln hier ein paar Äpfel und dort ein paar Mostbirnen vom Boden auf („Der sieht komisch aus!“ – „Der ist auch schon verschimmelt.“). Überall sieht man buntes Herbstlaub und blaugrüne Krautreihen stehen neben abgeernteten Feldern. Am Weg findet sich jede Menge kleines Krabbelgetier, Pferde stehen auf Weiden („Halt! Nicht anfassen! Das ist ein Elektrozaun! – Oh, dann ist er wohl doch nicht unter Strom.“), Rabenvögel suchen nach Futter („Guck mal, das sind große Amseln!“), Bussarde ziehen gelassen ihre Kreise.

Eine auf einer Bank pausierende Joggerin lässt sich auf ein Gespräch mit den Kindern ein, geduldig und freundlich. Am Zeppelinstein geht es durch raschelndes Laub, um den Gedenkstein herum, bis zur großen, alten Eiche.(„Hier ist ein Adler gestorben!“ – „ Nein, das Schild bedeutet, dass dieser Baum sehr alt und deshalb geschützt ist. Da steht drauf ‚Naturdenkmal‘“). Wie viele Kinder braucht es, den Stamm zu umfassen? Seine Rinde fühlt sich ganz anders an, als die des Ahorn oder der Linde nebenan.

Flugzeuge sind direkt über unseren Köpfen im Landeanflug. Von der nahen Brücke aus winken wir den LKW- und PKW-Fahrern auf der B 27 zu.

Der Blick vom Zeppelinstein aus über die Felder ringsum ist wohl einer der schönsten in diesem Teil unserer Stadt: Felder, Wiesen, Bäume, von Süden her grüßt Stetten vom Hang herab und von Echterdingen sieht man, außer ein paar Hausdächern und Kränen, nicht viel; aber über dem Herbstlaub thront der wohlvertraute Turm der Stephanuskirche.

Auf einem Weg voller Pferdeäpfel geht es zurück Richtung Kindergarten („Nein, die heißen nur so, die sammeln wir nicht ein.“).

Gehen Sie im Herbst nach draußen, egal bei welchem Wetter. Es gibt so viel zu entdecken, man muss nur hinschauen, - hören und riechen. So sammelt jedes Kind seine Erfahrungen mit dieser wunderschönen Jahreszeit und die Sinneseindrücke begleiten es dann sein Leben lang – alles nur durch einen einfachen Herbstspaziergang.

 

(zum Draußen-Tag am Freitag, 09.10.2015, B. Tchoulakian)

Umsetzung des Orientierungsplans

Unsere Emma- und Molly-Kinder sind beim Aktionstag eines Supermarktes. Zurück bleiben zwei Kollegen und zehn Knopf-Kinder (davon sieben unter drei Jahren und fünf Eingewöhnungskinder). Wir beschließen spontan und situationsorientiert endlich Nachfüllseife kaufen zu gehen; außerdem ist das Wetter so schön. Anziehen, zu zweit aufstellen, möglichst in einer ordentlichen Reihe quer durch den Ort laufen – das Lernen lebt von der Wiederholung. Im Regallabyrinth des Ladens identifizieren wir Obst, Gemüse, Cornflakes, finden die Seife, widerstehen tapfer den Süßigkeiten an der Kasse und bleiben aber gleich darauf bei der Eisdiele hängen. Zehn zufrieden Eis schleckende Kinder bringen manchen Passanten zum Schmunzeln. Wer Vanille- und wer Schokoeis gegessen hat, lässt sich danach zweifelsfrei feststellen. Ein Stück des restlichen Rückwegs werden wir von einer 82-jährigen Frau begleitet, die 40 Jahre lang Kindergärtnerin war, wie sie erzählt. Sie erinnert sich gern an die Zeit, aber mit uns tauschen möchte sie nicht. Warum eigentlich? Dabei kann die Umsetzung des Orientierungsplans doch so schön sein!

September 2015 - Beginn des neuen KiGa-Jahres

... und dann, und dann - fängt das Ganze wieder von vorne an

In der Garderobe geht es zur Zeit deutlich langsamer zu, was nicht nur daran liegt, dass öfters wieder Matschhosen nötig sind. Nein, noch vor den Ferien halfen die großen Emma-Kinder den jüngeren Kindern beim Anziehen – jetzt brauchen die meisten selber Hilfe. Beim Draußen-Tag dauert das Aufstellen in Paaren jetzt doppelt so lang, weil sie nicht mit ihm und er nicht mit ihr an der Hand laufen will – vor etwa zwei Monaten gab es keine Diskussionen. Das Gehen in einer Reihe ist auch noch ziemlich chaotisch. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit hingegen waren die Emma-Kinder verlässliche, verantwortungsbewusste und umsichtige Selbstläufer. Jetzt haben wir zwar auch „Selbst-Läufer“, aber die laufen dann dorthin, wo es ihnen gefällt. Und so gäbe es noch viele Beispiele. Andererseits wissen wir aber, dass am Ende des Kindergartenjahres alle älter, vernünftiger und geübter sein werden, auch wenn das im Moment noch ein schwacher Trost und sehr weit weg ist – denn jetzt sind wir erst einmal wieder ganz am Anfang.

Welches Eingewöhnungskonzept haben Sie in Ihrer Einrichtung?

Wir arbeiten nach dem Lukas-Prinzip. Noch nie gehört? Wir bis dato auch nicht, aber es klingt gut und passt zu uns. Lukas, der Lokomotivführer aus Lummerland, begegnet jedem stets offen, freundlich und interessiert, seien es Halbdrachen, Scheinriesen, der Kaiser von China oder die Wilde 13. Er versucht, seine Gegenüber zu verstehen und ideenreich und praktisch zu helfen, so dass jeder Zufriedenheit und/oder seinen Platz in der Gemeinschaft findet. Wir haben werde mit Riesen noch Drachen zu tun, höchstens mal mit einer Familie aus China, aber von allen Kinder, die zu uns kommen, sind keine zwei gleich. Jedes benötigt sein Tempo, sich an die neue Situation zu gewöhnen und sucht sich seine Vertrauensperson selbst aus. Darauf gehen wir offen und flexibel ein, denn dann kann Vertrauen entstehen und Eingewöhnung gelingen. Mehr zum Lukas-Prinzip finden Sie in den Lummerland-Büchern von Michael Ende oder bei der Augsburger Puppenkiste.

Willkommen zurück im Lummerland

- das gilt sowohl für das Kollegium, als auch für unsere Kinder mit ihren Eltern. Zwischen zwei und vier Wochen Ferien, vereinzelt auch noch länger, liegen hinter uns. Jetzt stellen wir fest, dass die Kinder gewachsen und oft gleichzeitig auch irgendwie erwachsener geworden sind; Dinge, die einem erst auffallen, wenn man sich eine Weile nicht gesehen hat. Die ersten neuen Kinder haben wir auch bereits begrüßt und nähern uns jeden Tag etwas mehr einander an; jedes Kind in dem ihm eigenen Tempo, auf die Weise, die seinem Wesen entspricht und sich die Person/en seines Vertrauens selbst aussuchend.   

Am Freitag, dem Draußen-Tag, haben wir bei einem unserer Kinder zuhause ein neugeborenes Lämmchen anschauen können, eine Menge wunderhübscher Stallhasen bewundert, frischgebackenen Hefezopf serviert bekommen, der Reihe nach auf einen großen Traktor steigen dürfen und im großen Hof mit Schaufeln, diversen Fahrzeugen und Spielsachen viel Spaß gehabt. So fängt das neue Kindergartenjahr wirklich gut an! Wenn nun ab Montag auch die letzten unserer Kinder zurück sind und wir die „alten“ Emma-Kinder bei der Einschulung besucht haben, kann es richtig losgehen. Ist dann einmal ein bisschen Zeit zum Luftholen, denken wir gern an unsere frischgebackenen Erstklässler und vermissen sie ein wenig, bevor der Alltag uns wieder mitreißt. Mögen sie sich in der Schule gut einleben, lange Freude am Lernen haben und vielleicht auch einmal wieder bei uns vorbeischauen.       

 

Juli 2015

Sommerfest 2015

Unser diesjähriges Sommerfest am 18.07.2015 stand unter dem Motto „Kindergarten-Alltag erleben“. Los ging es mit einer kleinen Gesangsdarbietung durch unsere Kinder. Anschließend gingen die Kinder symbolisch durch einen geschmückten Reif ins nächste Kindergartenjahr, wohingegen die Emmakinder in diesem Jahr auf eigenen Wunsch „rausgeschmissen“ wurden und von der Bühne durch die Luft auf eine Matte sausten. Eingeteilt in drei Gruppen zeigte uns das Kindergartenteam einige Kernelemente des Alltags. Dazu gehörte eine Turnstunde, der Stuhlkreis mit biblischer Geschichte und natürlich das Freispiel. Anschließend konnte bei einem internationalen Buffet, welches die Eltern zusammengetragen haben, geschlemmt und geplauscht werden.

Jungs-Woche

„Kann ich bei ihnen ein Sozialpraktikum machen?“ – welcher Kindergarten, welche Kita hört diese Anfrage nicht mehrmals jährlich? Dann sind nämlich die Jungs und Mädchen der verschiedenen Schularten wieder unterwegs. Vergangene Woche hatten wir derer gleich drei bei uns, alles Jungs zwischen 12 und 14 Jahren. Jungs, die für eine Woche lang zurück in den Kindergarten wollen und in der Zeit bei uns entweder ein Aha-Erlebnis haben (O-Ton: „Ich bleib hier! Hier lernt man richtig was.“), einen Heidenspaß beim Spielen (in dem Fall pitschenass werden), mit Hängen und Würgen durchhalten (O-Ton hinterher: „Was bin ich froh, dass das vorbei ist!“) oder irgendwas dazwischen. Unseren Kindern ist das aber völlig egal: Sie freuen sich über jedes neue Gesicht, es könnte sich dabei ja um interessante Spielkameraden handeln, sie sind neugierig und offen. Wenn dann die Lehrer/innen der Praktikanten vorbeischauen und wir uns über ihre Schützlinge austauschen, ist es jedes Mal aufs Neue beeindruckend, wie sehr ihnen die Jugendlichen am Herzen liegen. Und so ist es sehr wahrscheinlich, dass irgendwann von unseren Eltern einmal wieder die Frage kommt: „Ist bei euch Boys-Day?“ und wir aufklären: „Nein, Boys-Week.“

Härtetest

Eltern, die freitagabends „sturmfreie Bude“ haben? Kinder, die samstagnachmittags auf dem Sofa einschlafen? - Dann ist Emma-Übernachtung. Bald geht es in die Schule, deshalb zuvor noch der abschließende Kindergartenhärtetest. Nach einer Wasserschlacht finden sich Grillwürste neben Saft und Popcorn im selben Magen ein, werden über 150 Stufen auf den Turm der Stephanuskirche geschleppt, danach von selbst erstandenen Eiskugeln gekrönt, nach einer schnellen Dusche zu später Stunde zu Bett gebracht und vereinzelt bei Taschenlampenschein des Nachts zur Toilette getragen. Wie immer: Ein Kind schläft, kaum auf der Matte, völlig unbeeindruckt ein und öffnet die Augen erst wieder, als das Frühstück auf dem Tisch steht; ein anderes Kind wird einfach nicht vom Schlaf gefunden und es sorgt dafür, dass dieser die restlichen Kinder ebenfalls noch eine Weile vergeblich sucht. Doch auch hier wie immer: Irgendwann ist dann doch Ruhe. Am anderen Morgen kann nicht genügend Kakaopulver ins Müsli: „Boah, das ist ja fast schwarz!“ Über die Güte des Programms gehen die Meinungen auseinander und es gibt freundliche Kritik: „Weißt du, was wir nicht gemacht haben? Wir haben in der Nacht keine echte Kissenschlacht gemacht und Süßis gegessen.“ Da verwechselt wohl jemand „Lummerland“ mit „Burg Schreckenstein“. Dafür haben wir telefoniert, auf AB gesprochen und allerliebste Rückrufe bekommen: einen zum Schlafengehen, einen zum Frühstück. A propos Schlafengehen: Das findet heute bei der Schreiberin definitiv wieder früher und ins eigene Bett statt.

Klein-Babylon

„Frag sie mal, ob sie ein Pflaster möchte“, bittet die Kollegin ein älteres Mädchen und deutet auf ein jüngeres, gleicher Nationalität, das kein Deutsch kann. Die Eine schaut auf den Kratzer am Arm der Anderen und fragt auf Deutsch: „Willst du ein Pflaster?“ Na, so war es eigentlich nicht gedacht, die Kollegin hoffte auf muttersprachliche Unterstützung. Im Kindergartenalter Dolmetscherfunktion zu übernehmen, ist jedoch eine ganz besondere Leistung, die nicht jedes Kind kann oder auch erbringen möchte. Manche Kinder nervt es, als Sprachvermittler herangezogen zu werden, andere kommen mit der Zeit richtig in Übung und sind stolz etwas zu können, was die „Großen“ nicht hinkriegen. Wieder andere Kinder, die ohne Deutschkenntnisse zu uns kommen, behelfen sich selber geschickt mit Händen und Füßen. Dabei versuchen wir unsererseits mit Gesten und Worten ihre Zeichensprach zu interpretieren und zu verstehen; und irgendwann kommt dann das Verstehen – auf beiden Seiten.

 

Wochensplitter

Tee-Testtage: Jeden Tag eine andere Sorte; von Blubbs-Tee, Feensterntee über Cola-Tee bis hin zu roter bzw. gelber Früchteparade. Fast alle Kinder probieren und geben ihre Stimme ab. – Fototermin: Lächeln auf Kommando; bei manchen will es gar nicht klappen, da kann man sich noch so sehr auf den Kopf stellen, bei anderen ist nach 20 Sekunden alles im Kasten. – Geburtstagsparty: Ausnahmsweise feiern mal wieder beide Gruppen zusammen; das Geburtstagslied klingt so besonders schön und die Donuts sind im Nullkommanichts gevespert. – Nachmittag-Extras: Dienstags beglückt uns eine Mutter mit gekühlter Wassermelone, donnerstags machen wir (angesteckt vom Fotografen am Vortag) jede Menge lustige Gesichterfotos, die der Druckautomat zu einer witzigen Collage zusammensetzt. – Draußen-Tag: Die Kirschen in Nachbars Garten sind so zahlreich, dass wir kommen und pflücken dürfen. Die Zweige hängen fast bis zum Boden, so kommen auch die Kleinsten ran. Am Ende gibt es für alle im Kindergarten Kirschen bis zum Abwinken – rote Schnuten und Saftflecken inklusive.

Wasser marsch!

Am bisher heißesten Tag des Jahres geben auch wir die hauseigenen Wasserwannen im Garten zur Benutzung frei. Das Fachpersonal schleppt fleißig Eimer um Eimer und ein jeder wird mit freudigem Gekreische von Kinderhänden und –füßen begrüßt. Bald liegen feuchte Hosen und T-Shirts einträchtig nebeneinander auf der Hecke in der Sonne zum Trocknen. Währenddessen sind äußerst fröhliche – und auf der Engagiertheitsskala die Höchstmarke sprengende – Wasserspiele im Gange, die selbst vor den pädagogischen Mitarbeitern nicht Halt machen. „Schau mal, es braucht nur etwas Wasser und ein paar leere Plastikbehälter und die Kinder sind glücklich!“, begeistert sich die Kollegin. In diesem Moment trifft sie ein Strahl aus der Wasserpistole ins Genick.

Aktuelle Tageslosung


Stricke des Todes hatten mich umfangen, ich kam in Jammer und Not. Aber ich rief an den Namen des HERRN: Ach, HERR, errette mich!

Psalm 116,3.4

Die Jünger weckten Jesus auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen? Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig! Verstumme! Und der Wind legte sich und es ward eine große Stille.

Markus 4,38-39


© Evangelische Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine
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